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Roppongi

ein Ferrari in Roppongi Gestern war ich in Roppongi fort.

Mein Reiseführer sagt darüber:

To Tokyo's younger crowd, Roppongi is the citys most fashionable place to hang out. [...] Roppongi has more than its fair share of live-music houses, restaurants, discos, expatriate bars and pubs. Some Tokyoites complain that Roppongi is too crowded, to crass, and too commercialized (and has too many foreigners).

Klingt ganz lustig und nachdem ich andere typisch japanische, völlig überlaufene, Fortgeh- und Vergnügungsviertel schon besucht habe, und sie mir alle hervorragend gefallen haben, war es an der Zeit einmal nach Roppongi zu fahren. Insbesondere nachdem das nur vier U-Bahn Stationen von meinem Heim entfernt liegt.

Leider deckt sich mein Eindruck von Roppongi überhaupt nicht mit dem vom Reiseführer. Es ist nicht krass, es ist nicht schrill, die Stimmung ist nicht ausgelassen und die extra höflichen Japanerinnen, die ein Lokal teilweise nur durch ihr Anwesenheit hervorragend anpreisen findet man auch nicht. Statt dessen wird man dauernd angerempelt, obwohl die Straßen im Vergleich zu anderen Bezirken fast menschenleer sind. Die Anderen sind unfreundlich, verbeugen sich nicht -- nicht einmal wenn ich mich zuerst verbeuge -- und überall herrscht ein Gedränge, obwohl im Verhältnis zu sonst eigentlich niemand auf der Straße ist. Alle paar Meter steht eine Horde Schwarzer, die einen anquatscht, nicht auf das universell gültige zu Boden sehen reagieren und einen teilweise sogar angreifen.

Angreifen!

Seit ich in Japan bin hat mich erst einmal jemand angegriffen -- im Lab, weil ich Kopfhörer aufhatte und er dringend etwas von mir brauchte -- und selbst das war fast unmerklich. Sogar in der U-Bahn, zur Stoßzeit, wo die Stopfer dafür sorgen, dass die Türe zugeht, gibt es kein Gedrängel, kein Gestoße und kein Angreifen. Da steht man dann halt gepackt wie Sardinen nebeneinander, aber die Privatsphäre jedes einzelnen wird völlig respektiert. Ich lehne mich nicht an, ich rempel nicht, ich stoße nicht, ich bin -- so wie die Wand oder anderen um mich herum auch.

Nach nicht ganz einer Stunde Gerempel und Gegrabsche habe ich völlig fertig umgedreht und bin nach Hause gefahren.

Im Toukyu habe ich mir dann auf den Schock noch schnell ein paar Pommes in pickig-süßer Sojasauce mit Sesam gekauft. Die Kassiererin hat mich angesehen, gelächelt, sich verbeugt, mir den Sack mit beiden Händen gegeben, ich habe gelächelt, mich verbeugt, den Sack entgegengenommen, sie hat sich noch einmal verbeugt mir einen schönen Abend gewünscht und die Welt war wieder in Ordnung.

Ehrlich wenn Europa[^1] so ist wie Roppongi will ich nie mehr zurück. Lieber arbeite ich von 9:00 bis 22:00, als mir sowas freiwillig anzutun, vor allem nachdem ich gesehen habe wie harmonisch das ablaufen kann.

[^1]: Ich wage es jetzt einmal zu behaupten, dass die Pariser Metro nichts gegen die Yamanote Line ist

Lebensmittelvergiftung

Eine Japanologin, die ja bekanntlich studieren um zu lernen wie man sich in Japan richtig verhält, hat mir auf die Frage was ich alles beachten muss gesagt, dass ich nicht japanischer als die Japaner sein sollte. Leichter gesagt als getan! Das Leben auf der Todai besteht ja aus nicht viel mehr als in der Früh auf die Uni kommen, den ganzen Tag mit den japanischen Kollegen im Lab sitzen, zusammen Mittag und Abend essen,[^1] und am Abend, nach Möglichkeit noch vor der letzten U-Bahn, nach Hause fahren.

Am Heimweg kaufe ich mir meist noch einen kleinen Snack, den ich entweder noch vorm Schlafengehen esse, oder als Frühstück verwerte. Aber selbst bei dem Snack kann ich mir natürlich nicht sicher sein, dass die Japaner das nicht genauso halten.

Bleiben also noch die Wochenenden. Letztes Wochenende habe ich ganz japanisch mit meinem Tutor verbracht, aber diesmal wollte ich endlich einmal den Ratschlag wahrnehmen und etwas mit den anderen Leuten aus dem Heim unternehmen, insbesondere wo doch der Montag Frei war.[^2]

Also Sonntag Abend ist Fortgehen mit nicht Japanern angesagt und was mache ich? Wie ein braver Japaner schnappe ich mir meine Lebensmittelvergiftung nicht unter der Woche, wo ich ja Arbeit verpassen würde, sondern ausgerechnet an meinem langen Wochenende. Genau so muss man das machen. Nicht etwa an einem normalen Wochenende, wo ich dann eventuell noch angeschlagen in die Arbeit komme, nein das muss schon eines der wenigen langen sein.

Glücklicher Weise hatte sich meine Unfähigkeit auch nur einen Schluck warmes Wasser zu trinken bis zum Montag Abend gelegt, also bin ich nicht völlig dehydriert und was noch viel wichtiger ist ich versäume keine Uni! Lediglich zum Vokabellernen bin ich nicht so wirklich gekommen, dazu waren meine Aufenthalte außerhalb vom Klo einfach zu kurz. Dafür bin ich aber draufgekommen, dass es eigentlich eine ganz gute Idee ist die Nummer der Rettung zu kennen und die Eigene Adresse aussprechen zu können.[^3]

Wenn mich meine japanischen Kollegen jetzt fragen was ich am Wochenende gemacht habe, behaupte ich einfach ich hätte mit den anderen Europäern Japanerinnen aufgerissen. Das haben sie sicher nicht gemacht und ich will ja auf keinen Fall zu japanisch wirken.

[^1]: Alle essen das gleiche Gericht, das vom Ranghöchsten am Tisch ausgesucht wird [^2]: Tag des Sportes [^3]: Das ist mir übrigens aufgefallen, als mir klar wurde, dass es im Notfall noch mehr Barrieren als die Sprachbarriere zwischen mir und dem sicheren Krankenhaus gibt

Japanisch Fortgehen

japanischer Mojito Nachdem mich mein Tutor erfolgreich durch die größten Hürden der japanischen Bürokratie geschifft hat, wollte ich mich bei ihm revanchieren. Also habe ich ihn vorgeschlagen zusammen fortzugehen, ich zahle und er sucht das Lokal aus. So haben wir beide was davon -- ich lerne ein nettes japanisches Lokal kennen und er kann mit mit trinken gehen.

Seine Wahl ist dann auf ein britisches Pub gefallen -- richtig original mit Fish & Chips, Cyder, Guinness und der dazu passenden Inneneinrichtung.

Das erste erstaunliche war, dass man sich um 17:00 trifft und nur bis 23:00 fortgeht. Das zweite für mich sehr erstaunliche war, dass praktisch alle Japaner im Pub Cocktails getrunken haben -- nicht gerade britisch. Nur die 2-3 nicht Asiaten sind mit einem Bier herum gesessen. Bei Kosten von 7-8 Euro für ein Pint Bier und 3-4 Euro für einen Cocktail auch nicht weiter verwunderlich. Die Cocktails würde ich generell einmal als Wunderwerke der Chemie bezeichnen. Schillernd in allen Farben, haben die meisten nicht einmal eine Zutat gehabt, die auch nur im entferntesten an eine Frucht erinnern könnte. Auch keine Garnierung mit Cocktailkirsche oder Ananasscheibe.

Der Alkohol ist eindeutig kein billiger Fusel gewesen, aber abgesehen vom Alkohol und Sodawasser war da nur Chemie drinnen. So etwas wie einen Strawberry oder Banana Daiquirie hat man völlig vergeblich gesucht. Das natürlichste der ganzen Karte war noch der Long Island Ice Tee, jedenfalls habe ich das gedacht bis mir der Caipiriniha[^1] aufgefallen ist.

Was der Jockl nicht kennt frisst er nicht und damit fiel die Wahl eindeutig auf den Caipi, der dann auch relativ flott kam -- ohne Limette ohne Zucker und ich bin mir nicht wirklich sicher ob der Alkohol wirklich Cachaça war. Zugegebener Maßen ein interessantes Erlebnis, aber mit einem Caipirinha hatte es nicht wirklich viel zutun. Der Cocktail hätte auch sicher ganz gut geschmeckt, wenn ich nicht auf einen völlig anderen Geschmack eingestellt gewesen wäre. So war es einfach nur enttäuschend.

Nächster Versuch Mojito. Pfefferminz, Rum und Sodawasser waren sicher drinnen, aber dazwischen war auch Zitrone, kein Rohzucker und das Eis kam in Würfeln nicht gestoßen.

Seufts

Als nächstes habe ich einen der Japaner mit genauen Anweisungen was ich in meinem Cocktail haben will los geschickt und einen Mojito ohne jegliche Zitrusfrüchte, der eindeutig nicht mit Rum gemixt worden ist, bekommen.

Der Stairway to Heaven als Abschluss war dann aber relativ gut, jedenfalls nachdem ich mich an den Zahnpasta Geschmack gewöhnt hatte. Das hat mir wieder einmal eindeutig vor Augen geführt, dass es völlig sinnlos ist beim Essen in Japan auf europäische Dinge zu hoffen. Einmal abgesehen von westlichem Fastfood -- wo es praktisch immer auch ein Gericht mit Algen gibt -- schmeckt hier wirklich fast nichts so wie es bei uns zu Hause schmecken würde, auch wenn es den gleichen Namen hat. Da macht es viel mehr Sinn sich auf was neues einzulassen, als an altbekanntem festzuhalten, nur um dann herb enttäuscht zu werden.

[^1]: Die Art und weise wie der Name auf japanisch verunstaltet wird ist unmenschlich