Skip to content

Japanische Geburtstagsfeier

die Japaner mit der *arabischen* Kellnerin Gestern war ich auf der Geburtstagsfeier meines Tutors hier eingeladen. Nachdem Fortgehen in die Clubs hier nicht so ganz meines ist war ich ja schon sehr gespannt darauf wie so eine typische Feier abläuft und ob sie mir besser gefällt.

Die Einladung war relativ kurzfristig -- irgendwann am Nachmittag ist Mikuria zu mir gekommen und hat mich gefragt, ob ich heute am Abend schon was vorhätte. Natürlich nicht. Austauschstudenten sitzen am Abend immer brav zu Hause und lernen, also war ich auch an diesem Abend frei und voll begeistert davon mitzugehen.

Interessanter Weise trifft man sich hier für eine ungezwungene Feier in einem Lokal, es gibt keine Geburtstagsgeschenke und das Geburtstagskind wird auf den Abend eingeladen.[^1] Die ganze Feier hat um 19:00 angefangen[^2] und sollte bis 21:00 gehen. Bei zwei lächerlichen Stunden Feier wird einem auch schnell klar, dass zu spät zu kommen keine Option ist.

Das Lokal war ein Theme-Lokal namens Arabian Rock, mit Kellnerinnen die entweder als Araberinnen, Wunschgeister oder Halloween Hexen[^3] verkleidet waren. Kosten 3700 Yen -- inetwa 30 Euro -- pro Person, dafür gab es dann viel gutes Essen und in den ersten eineinhalb Stunden waren alle Getränke gratis. Bedenkt man, dass ein Bier hier irgendwas zwischen 600 und 1000 Yen kostet, eigentlich ein sehr guter Deal. Einzig das Limit auf zwei Stunden hat mich etwas irritiert.

Die ganze Feier war dann sehr nett, ein winziger Raum rund zehn angeheiterten Studenten der Todai. Die Mengen an Alkohol vor denen ich mich schon wirklich gefürchtet habe waren auch überhaupt kein Problem. Nachdem ich eine Flasche Bier relativ am Anfang auf Ex getrunken habe war allen klar, dass der Österreicher in anderen Massstäben zu messen ist und niemand hat es mehr gewagt mich zum Trinken aufzufordern. Vorallem nachdem ich immer darauf bestanden habe, dass der der mich zum Trinken überreden will mindestens genau soviel trinkt wie ich. Am Schluss war ich dann höchst wahrscheinlich der nüchternste von allen, hatte ein paar nette Fotos und eine Menge Spass.

Am Anfang haben 30 Euro für zwei -- es waren dann eigentlich eher drei -- Stunden nach einer Menge Geld geklungen, aber das Essen war gut und obwohl es nur zwei Stunden waren ist der Spass irgendwie konzentrierter. Bei uns lässt sich jeder Zeit, weil der Abend ja noch lange wird. Hier ist jedem klar, dass nach zwei Stunden Schluss ist und man dann nach Hause geht, also feiert man in der wenigen Zeit umso intensiver.[^4] Und das Beste ist am nächsten Tag gibt es keinerlei Probleme -- jedenfalls gab es die für mich nicht. Fünf bis Zehn Drinks an einem Abend mit jeder Menge Essen und noch vor zwölf im Bett kann ich glücklicher Weise locker verkraften.

Einzig und alleine die Art wie die schwächsten Trinker dazu aufgefordert werden mehr zu trinken als sie wollen oder vertragen gefällt mir nicht. Ich habe es auch ganz offen als grausam bezeichnet und sie gebeten das nicht mehr zu tun. Inwiefern das geholfen hat kann ich allerdings nicht sagen.

[^1]: Das trifft nur auf Burschen zu, Mädchen bekommen Geschenke, betrinken sich aber angeblich nicht (so) hemmungslos [^2]: Ja wir haben extra dafür früher mit der Arbeit aufgehört [^3]: Halloween steht ja ins Haus und halb Tokyo ist deshalb mit Kürbissen und spitzen Hüten geschmückt [^4]: Damit meine ich nicht nur den Alkohol, sondern die gesamte Einstellung

Heim 2

Wer mein erstes Post über das Heim gelesen hat, kann sich eventuell noch an die stinkende Wäsche, die in den Sack eingesperrt werden musste, erinnern. Das ist mittlerweile mehr als zwei Wochen her und der Sack mit Wäsche liegt noch immer -- völlig unberührt -- in der Ecke. Bedenkt man, dass die Wäsche noch feucht war, schon damals gestunken hat und jetzt in einem verschlossenen (semitransparenten) Plastiksack vor sich hin gammelt, fürchte ich mich richtig vor dem Mikroklima da drinnen.

Wenigstens mein Zimmer ist mittlerweile halbwegs sauber und muss, bis auf wenige Stellen, nur noch einmal pro Woche für eine Stunde geputzt werden. Die anderen Studenten auf meinem Gang kenne ich mittlerweile auch schon zum Großteil, hauptsächlich die Europäer und Australier, weil die Asiaten sich eindeutig vor gemeinschaftlichen Aktivitäten, wie zB Konversation, drücken.

Topf habe ich bis jetzt einen einzigen und Gläser, Messer und Teller noch überhaupt keine. Glücklicher Weise ist das wichtigste zum kochen in Japan heißes Wasser, danach kommt der Reiskocher und dann kommt lange nix. Insofern ist meine nächste Anschaffung wohl ein Reiskocher und ein Wasserglas. Dann irgendwas mit dem man Tee kochen kann und Freizeit in der ich das benutzen kann. Wobei unter die rund 400 Yen für ein Gyudon[^1] komme ich beim selber kochen auch nur schwer. Beim nach Hause gehen ist es dann meistens schon so spät, dass ich in die 50% Reduktion auf vorgekochte Gerichte Aktion komme und bei den Preisen wäre selber kochen einfach teurer als vorgekochte Gerichte zu kaufen.

Einzig wenn ich Lust auf sündhaft teure Vitamine, in Form von einem Salat oder einem Apfel, habe, machen nicht fertig gekochte Gerichte Sinn. Die eine Frucht pro Woche soll dafür sorgen, dass mein Vitaminhaushalt auch die Dinge bekommt, die nicht im morgendlichen Müsli enthalten sind. Wer mich jetzt fragt welche das sind, dem kann ich gerne ein Foto von einer Handvoll Kanji schicken.

Das Einkaufen sonst ist noch immer ein Abenteuer. Eine aus meinem Japanischkurs[^2] hat unabsichtlich Essig anstatt von Öl gekauft und ich habe wohl den Jackpot mit Bleiche anstatt von Zahnpasta abgeschossen. Es ist white draufgestanden und ich habe an Zähne gedacht und nicht an Wäsche -- wie konnte ich auch, wo es doch So eindeutig zwischen Zahnbürsten und Putzmittel gestanden ist.

Zum Schluss noch für alle die es interessiert meine Adresse hier in Japan:

Minato-ku, Shirokanedai 4-6-41, Room C224[^3]
108-0071 Tokyo
Japan

oder

108-0071 東京都港区白金台4-6-41 東大ロッジC224

Wobei Japan da noch fehlt, aber das würde ich eher nicht in Kanji schreiben, sonst macht der Brief noch einen Zwischenstopp in China.

Foto vom Heim wird nachgeliefert, sobald ich einmal daran denke die Bilder auf den Laptop zu spielen (sprich ein USB Kabel auf die Todai mitnehme)

[^1]: 牛丼 ist Reis mit ein bisserl Rindfleisch [^2]: J3, eigentlich schon mäßig fortgeschritten [^3]: Minato ist der Bezirk, Shiroganedai der Teil des Bezirkes, 4 der Abschnitt in Shiroganedai, 6 der Block und 41 die Hausnummer. Ja Tokyo ist groß und diese Nummern sind halbwegs willkürlich vergeben. Deshalb hat auch fast jedes Telefon hier GPS-Navigation eingebaut.

Roppongi 2

Obwohl ich beim ersten mal in Poppongi echt nicht begeistert davon war -- um das einmal freundlich auszudrücken -- konnte mich ein Kollege aus dem Heim dann doch dazu überreden es noch einmal mit ihm zu versuchen. Also sind wir Freitag Abend gemeinsam losgezogen um die Clubs in Roppongi unsicher zu machen. Begleitet haben uns ein paar Gaijin[^1] die schon ein einige Jahre in Japan leben und sich hier dementsprechend gut auskennen.

Als erstes, noch bevor wir wirklich in Roppongi waren, hat uns eine Kameracrew abgefangen und drei vier englische und genau ao viele japanische Sätze in die Kamera stammel lassen. Ich bin schon gepannt ob ich ins japanische Fernsehen komme und wenn ja wie schlimm ich dort zerrissen werde. Das ganze ist auf jeden Fall eine Sendung für Frauen in den Tweens und wird am 25. ausgestrahlt.

Dann haben wir die Freunde von Martin getroffen. In einer Horde Rugbyspieler[^2] die sich den Weg durch die Menschen rempeln ist Roppongi eigentlich ganz nett. Viel Platz und man wird auch nicht blöd angequatscht.

Zuerst ging es in eine Shotbar mit einer ewigen Bestenliste der größten Säufer. Wer mehr als 1000 Shots in einem Monat trinkt kommt auf die Ehrentafel für den 1000 Shot Club, es gibt eine Plakette für den größten Säufer des jeweiligen Monats und eine große Ehrentafel für den der als erster(?) über 1000 Shots pro Monat gekommen ist. Nicht unbedingt meine Bar, aber es gab auch Bier und eigentlich wollte ich nur bis zur letzten U-Bahn bleiben. Dann aber machten wir uns auf in einen der anscheinend besseren Clubs in Roppongi.

Ich muss sagen die Leute waren noch immer nicht so nett angezogen wie in den Bezirken die mir wirklich gut gefallen -- hier gabe es einfach nur jede Menge kurze Röcke, aber nicht diese wirklich nette Verspieltheit der Mode die mir in Japan so gut gefällt -- und sicher ein Drittel der Anwesenden waren, so wie ich, Ausländer, aber in dem Club ist es wirklich abgegangen!

Alle habe getanzt und die Musik war wie immer zu laut um sich wirklich unterhalten zu können. Also sucht man sich hier einfach eine Japanerin die einem gefällt,[^3] nimmt sie an der Hand[^4] und wenn sie sich zu einem hindreht und lächelt kann man damit rechnen innerhalb der nächsten 2 Minuten zumindest geküsst zu werden. Wenn sie nicht lächelt oder sich nur halb umdreht geht man einfach zu nächsten.

Abschließend muss ich sagen, dass es zwar ein interessantes Erlebnis war, aber ich nicht glaube sowas einmal pro Woche machen zu wollen, geschweige denn drei bis vier mal so wie manch andere Europäer in Japan.

Bild gibt es keines. Ich habe das nicht so gerne wenn meine Kamera in Alkohol mit Zucker und Eis gebadet wird. Auf der Kleidung finde ich das schon ekelhaft genug.

[^1]: Ausländer genau wie wir [^2]: kein Scherz [^3]: Japaner gehen auf die Europäerinnen [^4]: höfliche Variante