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Das Heim

Schwaemme zum Putzen Wie ich mein Wochenende verbracht habe?

Mit einem Schwamm in der einen und dem schärfsten Putzmittel das ich finden konnte in der anderen Hand.

Shuhei, ein japanischer Mitarbeiter auf der TU, hat mir in Wien noch erklärt, dass er nicht in so einem Heim wohnen würde und wenn irgend möglich es nicht einmal betreten will. Damals habe ich mir noch gedacht was das für ein Blödsinn ist, ich war in Heimen in Wien und die sind alle nicht wirklich sauber gewesen. Japaner haben einfach ein extremes Verhältnis zu Schmutz und da ist so ein Heim natürlich nicht optimal.

Mein Tutor hat das Zimmer als einwenig verdreckt beschrieben. Wenn das einwenig ist, dann möchte ich normal verdreckt nie erleben müssen.

Bis jetzt habe ich einen Kasten sauber und die Kochnische so weit, dass ich bereit bin mein Essen an gewissen Stellen zuzubereiten und zu lagern. Sauber ist die noch lange nicht und dann kommt noch das Bad und der eigentliche Raum. Überall sind Klebestoffreste von Postern oder die Farbe ist mit dem Tixo beim Ablösen mitgegangen. Besonders erschreckend finde ich ja, dass die das offensichtlich über mehrere Zyklen nicht säubern, weil in dem einen Kasten waren eindeutig Bilder über die Flecken gepickt.

Als mir der Hauswart den Waschraum gezeigt hat bin ich fast umgefallen, anscheinend hat irgendwer seine Wäsche in einer der Waschmaschinen gelassen und ist dann vor rund einer Woche abgereist und bisher hat es niemand der Mühe wert gefunden sie zu entfernen. Ich habe sie dann heute in einen großen Plastiksack eingesperrt, dort kann sie jetzt ganz in Ruhe vor sich hinschimmeln -- so lange bis sie Füße bekommt und von alleine weglaufen kann.

Apropo Füße -- meine sind schwarz wenn ich barfuß durch das Zimmer gehe, aber die Schuhe im Zimmer anzuziehen wäre undenkbar. Wenigstens Kakerlaken, die mir viele Leute prophezeit haben, gibt es hier nicht -- zumindest bis jetzt.

Positiv erwähnen muss ich, dass das Zimmer eigentlich angenehm groß ist. Es gibt mehr als genug Platz um ein zwei -- notfalls auch drei -- Leute am Boden unterzubringen und bis die ersten Gäste kommen wollen habe ich das sicher auch schon so weit gesäubert, dass es ein angenehmes Erlebnis wird.

Mehr Fotos wie so oft auf Flickr. Wer eine Ahnung hat wie man Räume gut visualisiert, möge mir bitte einen Kommentar hinterlassen oder eine Mail schreiben und ich versuche das dann auch gerne.

kein Internet

Ich habe kein Internet im Heim und mein Programm um Bilder zu organisieren funktioniert noch nicht mit der neuen Kamera. Außerdem sitze ich jeden Tag bis rund 23:00 auf der Uni, also werden die Updates im Moment wohl ein bisschen warten müssen.

Wenn ich so gegen 24:00 nach Hause komme habe ich dann nämlich keine Lust mehr noch Blogposts zu schreiben, vorallem nachdem die Canon-Tools um die Bilder zu verarbeiten meiner Meinung nach wirklich mistig sind -- besonders im vergleich zu Aperture, das ich bis jetzt benutzt habe. Sehr ärgerlich, dass Apple sich so lange mit dem Update Zeit lässt, aber anderer seits hatte ich die Kamera schon in Händen da war sie im Rest der Welt noch gar nicht erhältlich.

Und es geht mir noch immer sehr gut, auch wenn ich im Moment eigentlich nur auf der UNI sitze. Todai ist lustig, hat aber den Nachteil, dass die Leute halt wirklich viel Arbeit und relativ wenig Freizeit gewohnt sind. So glaube ich zB, dass keiner meiner Kollegen eine Freundin hat. Die kommen einfach zu wenig raus um sich noch um sowas kümmern zu können und in unserer Abteilung gibt es keine Frauen[^1] und nachdem sie nicht einmal alle zusammen Essen gehen gibt es sowas wie Kommunikation mit anderen Abteilungen überhaupt nicht. Da merkt man wieder einmal Ausländer wie mich, die auch mit abteilungsfremden Personen am Gang ratschen.

[^1]: Wobei Song von den Leuten die sich mit Geruchsinn beschäftigen sehr nett ist.

Eine Karte übergeben

Aus Wien habe ich eine Karte mit einer Introduction für den Aikido Trainer an der Todai mitbekommen, nur war mir nicht ganz klar was da hinten draufsteht und fast noch wichtiger -- wie man die richtig übergibt. Glücklicher Weise gibt es hier ja genug Japaner, die man nach der richtigen Etikette fragen kann.

This is not Samurai Edo -- Just give it to him. To be polite ist good, but this is the 21 century you know.

Verdammt irgendwas muss ich da wohl falsch verstanden haben. Im Wien des einundzwanzigsten Jahrhunderts starren mich die Leute beim Essen nur dann an wenn ich schlürfe oder die Nase in der U-Bahn wiederholt und laut aufziehe anstatt sie mir zu putzen. Auch an der Kassa schauen sie mich nicht völlig entsetzt an, wenn ich das Geld einfach nur auf den Tresen, anstatt in die kleine dafür vorgesehene Tasse, lege. In Japan bekomme ich für so eine barbarische Handlung entsetzte Blicke und entweder sie legen das Geld zuerst in die Schale und nehmen es dann erst, oder warten darauf, dass ich es wieder aufnehme und selber hinein lege. Bis jetzt hat jedenfalls noch keiner das Geld einfach nur so von Tresen genommen.

Im ersten Hotel wollte die Rezeptzionistin irgendetwas von mir haben und hat mir die Hand dabei so hingestreckt, dass ich sie automatisch geschüttelt habe.

Ich gebe zu, dass wir das einundzwanzigste Jahrhundert schreiben -- auch in Japan, aber das bedeutet noch lange nicht, dass die Sitten angeglichen sind. Nur weil ich vom Aikido und Japanologie ein bisserl Ahnung von japanischer Etikette habe heißt das noch lange nicht, dass ich eine Ahnung habe wie man eine Karte höflich übergibt. Selbst in Europa würde ich mir länger überlegen wie ich das am besten bewerkstellige, aber hier in Japan, wo die Regeln teilweise viel strikter sind als bei uns, wird das natürlich noch viel spannender.