Japanisch Fortgehen
Nachdem mich mein Tutor erfolgreich durch die größten Hürden der japanischen Bürokratie geschifft hat, wollte ich mich bei ihm revanchieren. Also habe ich ihn vorgeschlagen zusammen fortzugehen, ich zahle und er sucht das Lokal aus. So haben wir beide was davon -- ich lerne ein nettes japanisches Lokal kennen und er kann mit mit trinken gehen.
Seine Wahl ist dann auf ein britisches Pub gefallen -- richtig original mit Fish & Chips, Cyder, Guinness und der dazu passenden Inneneinrichtung.
Das erste erstaunliche war, dass man sich um 17:00 trifft und nur bis 23:00 fortgeht. Das zweite für mich sehr erstaunliche war, dass praktisch alle Japaner im Pub Cocktails getrunken haben -- nicht gerade britisch. Nur die 2-3 nicht Asiaten sind mit einem Bier herum gesessen. Bei Kosten von 7-8 Euro für ein Pint Bier und 3-4 Euro für einen Cocktail auch nicht weiter verwunderlich. Die Cocktails würde ich generell einmal als Wunderwerke der Chemie bezeichnen. Schillernd in allen Farben, haben die meisten nicht einmal eine Zutat gehabt, die auch nur im entferntesten an eine Frucht erinnern könnte. Auch keine Garnierung mit Cocktailkirsche oder Ananasscheibe.
Der Alkohol ist eindeutig kein billiger Fusel gewesen, aber abgesehen vom Alkohol und Sodawasser war da nur Chemie drinnen. So etwas wie einen Strawberry oder Banana Daiquirie hat man völlig vergeblich gesucht. Das natürlichste der ganzen Karte war noch der Long Island Ice Tee, jedenfalls habe ich das gedacht bis mir der Caipiriniha[^1] aufgefallen ist.
Was der Jockl nicht kennt frisst er nicht und damit fiel die Wahl eindeutig auf den Caipi, der dann auch relativ flott kam -- ohne Limette ohne Zucker und ich bin mir nicht wirklich sicher ob der Alkohol wirklich Cachaça war. Zugegebener Maßen ein interessantes Erlebnis, aber mit einem Caipirinha hatte es nicht wirklich viel zutun. Der Cocktail hätte auch sicher ganz gut geschmeckt, wenn ich nicht auf einen völlig anderen Geschmack eingestellt gewesen wäre. So war es einfach nur enttäuschend.
Nächster Versuch Mojito. Pfefferminz, Rum und Sodawasser waren sicher drinnen, aber dazwischen war auch Zitrone, kein Rohzucker und das Eis kam in Würfeln nicht gestoßen.
Seufts
Als nächstes habe ich einen der Japaner mit genauen Anweisungen was ich in meinem Cocktail haben will los geschickt und einen Mojito ohne jegliche Zitrusfrüchte, der eindeutig nicht mit Rum gemixt worden ist, bekommen.
Der Stairway to Heaven als Abschluss war dann aber relativ gut, jedenfalls nachdem ich mich an den Zahnpasta Geschmack gewöhnt hatte. Das hat mir wieder einmal eindeutig vor Augen geführt, dass es völlig sinnlos ist beim Essen in Japan auf europäische Dinge zu hoffen. Einmal abgesehen von westlichem Fastfood -- wo es praktisch immer auch ein Gericht mit Algen gibt -- schmeckt hier wirklich fast nichts so wie es bei uns zu Hause schmecken würde, auch wenn es den gleichen Namen hat. Da macht es viel mehr Sinn sich auf was neues einzulassen, als an altbekanntem festzuhalten, nur um dann herb enttäuscht zu werden.
[^1]: Die Art und weise wie der Name auf japanisch verunstaltet wird ist unmenschlich
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Comments
alexander on :
Äh wenn das gleich heißt, dann erwarte ich eigentlich auch, dass das gleiche drinnen ist
Aber ja ich habe nie auch nur im geringsten gedacht, dass ich hier ähnliche Dinge zum Essen bekomme wie zu Hause, nur bei den Cocktails hat es mich doch ein bisserl verwundert. Die sollten überall mehr oder weniger gleich sein.
tobi on :
wiso sollte man auch um die halbe welt fliegen um dann erst recht wieder das selbe langweilige zeug wie bei uns zu bekommen
Julia (nicht eingeloggt) on :
Und das Bier? Ist das europäisches Bier, dass um die halber Welt geschifft wird?
Oder ist das auch "japanisiert"?
alexander on :
beides gibt es, wobei das Japanische Bier eigentlich erstaunlich gut ist und das Europäische erwartungsgemäß sau teuer ist (ein Pint 900 Yen also rund 6.5 Euro)
dp on :
Eigentlich ist es ganz normal, dass die "gleichen" Dinge unterschiedlich schmecken. Es werden ja sogar innerhalb von Europa die verschiedensten Produkte dem jeweiligen Landesgeschmack angepasst. Schon in Ungarn schmecken Produkte, die unter dem selben Namen verkauft werden wie in Österreich anders, weil sogar die großen Konzerne sich auf den "ungarischen Geschmack" einstellen. Dann wird sich doch der "japanische Geschmack" auch auf europäische Speisen und Getränke auswirken. Übrigens glaube ich, dass das "Katzenfutter" auf deinen Fotos Alici sind - diese kleinen Fische, die man auch in Italien als Vorspeise oder als Teil von Frutti di mare bekommt. Meistens werden sie in Mehl gewendet und dann kross frittiert. Oder in Öl-Essig eingelegt. Wenn man davon absieht, dass meist noch alle Innereien und Gräten drinnen bleiben, schmecken sie gut.
Babs on :
das mit den unterschiedlichen Landesgeschmäckern stimmt! Soweit ich weiss trifft das auch auf Gerüche zu... Laut Meinungsforschung - hier sollte man warscheinlich Geruchsforschung sagen - mögen Beispielsweise die meisten Engländer andere Gerüche und Parfums als Südamerikaner usw. Dieses Wissen wird u.a. in die Waschmittelherstellung mit einbezogen. Ich hab gehört, dieselbe Marke riecht manchmal in einem Land anders als in einem anderen. http://www.absatzwirtschaft.de/Content/Communication/News/pv/p/1003214/t/ft/b/65670/default.aspx/man-kann-theoretisch-viele-produkte-mit-duft-versehen.html hehe -sogar mit quelle - voila
alexander on :
Ich hoffe, dass ich bald auf den richtigen Geruch für Japaner draufkomme, weil zur Zeit setzte sich die Leute in der U-Bahn ab und zu weg, wenn ich mich neben sie setzte. (und das machen sie auch, wenn ich ganz frisch geduscht mit frischen Kleidern bin) :redface:
Abgesehen davon stimmt das mit dem Geschmack natürlich und ich finde das meiste schmeckt hier zwar anders, aber sehr gut. Es gibt hat ein paar Dinge die würde ich alleine nie essen. Eierspeise mit Krakenstücken und Schrips zum Beispiel. :eek:
Wenn es hier nicht die Eigenheit gäbe, dass alle am Tisch das gleiche essen hätte ich sowas nie bestellt, war dann aber erstaunlich gut.