Viele Wege führen nach Rom
Japan ist faszinierend. Nicht nur wegen der fremdartigen Kultur, der interessanten Sprache[^1] und der coolen Mode. Nein auch die Regeln und wie sie beachtet werden ist hier einfach völlig anders als bei uns.
Ein Freund von mir hat es so ausgedrückt: In Europa haben wir Regeln und Grenzen. Sicher viele Leute gehen einwenig über diese Grenzen hinaus, aber im Großen und Ganzen ist kurz nach der Grenze Schluss. Japan ist viel Multidimensionaler. Die Grenzen sind härter, werden befolgt und auf einer anderen Ebene viel weiter überschritten als man es sich bei uns vorstellen kann.
Das bestes Beispiel ist da wohl Sex und die Pornoindustrie und welche Blüten das in Japan treibt. In Japan ist ein Erlebnis für sich peinliche Dinge wie Damenbinden oder Kondome zu kaufen. Erstens gibt es die nicht so wie bei uns in jedem Supermarkt, oder ich war wieder einmal zu blind um sie zu finden, sondern nur in speziellen Drogeriemärkten und zum zweiten will natürlich kein japanisches Geschäft seine Kunden der Peinlichkeit soetwas kaufen zu müssen aussetzen. Deshalb gibt es spezielle schwarze und völlig undurchsichtige Plastiksäcke in die die peinliche Wahre sofort eingepackt wird. So sieht dann zwar jeder auf der Straße, dass man etwas nicht gesellschaftsfähiges gekauft hat, aber niemand kann erkennen was genau.
Im krassen Gegensatz dazu stehen die Sexshops. Hier wird man beim Betreten und jedes mal wenn einen ein Verkäufer erblickt, wie in japanischen Geschäften üblich, lauthals begrüßt. Pornos sind in Japan zensiert. Das bedeutet man borgt sich einen Film aus und hat dann schwarze Balken oder absichtlich verpixelte Bilder. Stellt sich die Frage warum man sich dann überhaupt einen Porno ansehen würde, aber soll so sein. Werden die Mädchen in den Filmen zu jung, also so, dass ich ihnen die Schuluniform sofort glaube, werden die Gesichter auch unkenntlich gemacht -- jedenfalls am Cover, so ein Video ausgeborgt und dann darüber geredet hat noch keiner meiner Bekannten. Damit man aber nicht völlig ohne das Gefühl von Sex mit 13 jährigen auskommen muss, gibt es Sexpuppen in der Altersklasse 12-14[^2] und man kann sich in anderen Spezialgeschäften komplette getragene Schuluniformen und getragene Unterwäsche kaufen, falls die billigen nachgemachten Produkte nicht ästhetisch genug sind, oder zu wenig nach Mädchen und zu viel nach Plastik riechen.
Wer Sex haben will und aus welchen Gründen auch immer nicht nach Hause gehen will[^3] oder kann,[^4] dem steht die Möglichkeit sich für ein paar Stunden oder eine ganze Nacht in ein Love Hotel einzumieten, offen. Gerüchten zufolge sind das die Orte wo die reichen Japaner sich mit ihren 16 jährigen Liebschaften treffen, selber gesehen habe ich das allerdings noch nie. Gut gekleidete Business Männer und Frauen dort untertags ein und ausgehen allerdings schon oft genug. Meistens allerdings nicht als Paar sondern einzeln nach einander. Anscheinend wäre es peinlich mit dem Partner zusammen gesehen zu werden.
Von Fetish Shops fange ich hier nicht einmal an, die sind so anders, dass ich nicht einmal mehr einordnen kann was ich denken soll. Wir überlegen schon, ob wir uns ein Überraschungssackerl mit fünf unbekannten Filmen kaufen sollten, jeder schaut sich dann einen an und berichtet den anderen davon. Wenn wir das machen bekomme ich hoffentlich etwas harmloses wie Schuhe[^5] oder angezogene Schulmädchen die gekitzelt werden und nicht einen Film in dem Schulmädchen die 40 jährigen Männern auf den Genitalien herumtrampeln.[^6]
[^1]: Japaner haben sieben verschiedene Möglichkeiten die ich kenne (!) einen Befehl/Bitte mehr oder weniger höflich auszudrücken und das inkludiert noch nicht die Verwendung von höflicheren Wörtern [^2]: Jedenfalls haben wir sie darauf geschätzt [^3]: Sex in der eigenen Wohnung ist teilweise unüblich, angeblich weil die Wände so dünn sind, dass man den Nachbarn stören würde [^4]: Muss ich das näher erläutern? [^5]: ohne Füße nur getragene Schuhe! [^6]: Und das ist noch lange nicht das Ende. Es gibt noch weit schlimmeres
Neujahr ist in Japan inetwa das was bei uns Weihnachten ist. Ein großes Fest, bei dem die ganze Familie zusammen kommt und man viel gutes Essen isst und -- eventuell nicht ganz wie bei uns -- viel Alkohol trinkt. Natürlich wollte ich das um jeden Preis mit einer japanischen Familie erleben und so war ich sehr erfreut, als mich ein japanischer Freund zu seiner Familie nach Hause eingeladen hat. Was sind schon 10.000 Yen für den Shinkansen nach Niigata,[^1] wenn ich dann dafür vier Tage lang Japan pur erleben darf.
Die eineinhalb Wochen Ferien von der Uni in denen wir nicht nur nicht auf die Uni müssen -- das müssten wir am Samstag oder Sonntag auch nicht, aber ich war am Wochenende noch nie alleine auf der Todai -- nein über die Weihnachtsferien haben wir sogar das explizite Verbot Dinge auf der Uni zu machen, wollte ich natürlich ausnützen um irgend etwas spannendes etwas außerhalb von Tokyo zu unternehmen. Also haben Martin und ich uns entschlossen einen Tagesauflug nach Kamakura zu unternehmen. Der Plan war nach einer erholsamen Nacht das Heim um 8:00 zu verlassen und dann um 10:00 in Kamakura anzukommen. Nur hatte ich dann eine Date mit eine hübschen Japanerin und Martin ein Date mit spannenden Filmen.