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Heim 2

Wer mein erstes Post über das Heim gelesen hat, kann sich eventuell noch an die stinkende Wäsche, die in den Sack eingesperrt werden musste, erinnern. Das ist mittlerweile mehr als zwei Wochen her und der Sack mit Wäsche liegt noch immer -- völlig unberührt -- in der Ecke. Bedenkt man, dass die Wäsche noch feucht war, schon damals gestunken hat und jetzt in einem verschlossenen (semitransparenten) Plastiksack vor sich hin gammelt, fürchte ich mich richtig vor dem Mikroklima da drinnen.

Wenigstens mein Zimmer ist mittlerweile halbwegs sauber und muss, bis auf wenige Stellen, nur noch einmal pro Woche für eine Stunde geputzt werden. Die anderen Studenten auf meinem Gang kenne ich mittlerweile auch schon zum Großteil, hauptsächlich die Europäer und Australier, weil die Asiaten sich eindeutig vor gemeinschaftlichen Aktivitäten, wie zB Konversation, drücken.

Topf habe ich bis jetzt einen einzigen und Gläser, Messer und Teller noch überhaupt keine. Glücklicher Weise ist das wichtigste zum kochen in Japan heißes Wasser, danach kommt der Reiskocher und dann kommt lange nix. Insofern ist meine nächste Anschaffung wohl ein Reiskocher und ein Wasserglas. Dann irgendwas mit dem man Tee kochen kann und Freizeit in der ich das benutzen kann. Wobei unter die rund 400 Yen für ein Gyudon[^1] komme ich beim selber kochen auch nur schwer. Beim nach Hause gehen ist es dann meistens schon so spät, dass ich in die 50% Reduktion auf vorgekochte Gerichte Aktion komme und bei den Preisen wäre selber kochen einfach teurer als vorgekochte Gerichte zu kaufen.

Einzig wenn ich Lust auf sündhaft teure Vitamine, in Form von einem Salat oder einem Apfel, habe, machen nicht fertig gekochte Gerichte Sinn. Die eine Frucht pro Woche soll dafür sorgen, dass mein Vitaminhaushalt auch die Dinge bekommt, die nicht im morgendlichen Müsli enthalten sind. Wer mich jetzt fragt welche das sind, dem kann ich gerne ein Foto von einer Handvoll Kanji schicken.

Das Einkaufen sonst ist noch immer ein Abenteuer. Eine aus meinem Japanischkurs[^2] hat unabsichtlich Essig anstatt von Öl gekauft und ich habe wohl den Jackpot mit Bleiche anstatt von Zahnpasta abgeschossen. Es ist white draufgestanden und ich habe an Zähne gedacht und nicht an Wäsche -- wie konnte ich auch, wo es doch So eindeutig zwischen Zahnbürsten und Putzmittel gestanden ist.

Zum Schluss noch für alle die es interessiert meine Adresse hier in Japan:

Minato-ku, Shirokanedai 4-6-41, Room C224[^3]
108-0071 Tokyo
Japan

oder

108-0071 東京都港区白金台4-6-41 東大ロッジC224

Wobei Japan da noch fehlt, aber das würde ich eher nicht in Kanji schreiben, sonst macht der Brief noch einen Zwischenstopp in China.

Foto vom Heim wird nachgeliefert, sobald ich einmal daran denke die Bilder auf den Laptop zu spielen (sprich ein USB Kabel auf die Todai mitnehme)

[^1]: 牛丼 ist Reis mit ein bisserl Rindfleisch [^2]: J3, eigentlich schon mäßig fortgeschritten [^3]: Minato ist der Bezirk, Shiroganedai der Teil des Bezirkes, 4 der Abschnitt in Shiroganedai, 6 der Block und 41 die Hausnummer. Ja Tokyo ist groß und diese Nummern sind halbwegs willkürlich vergeben. Deshalb hat auch fast jedes Telefon hier GPS-Navigation eingebaut.

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Comments

Julia/Rashidanya (not logged in) on :

Ist die Adresse der Hinweis, dass wir dein Paket bald verschicken sollen? Wenn ja, was magst du denn drinnen ungefähr finden?

dp on :

Telefon mit GPS Navigation wäre für mich auch in Österreich ein Traum. Ich genieße es, immer rechtzeitig und ohne Umwege bei verschiedenen Treffpunkten anzukommen - und das gelingt mir erst seit wir ein Auto mit Navigationsgerät haben! Gibt es solche Handys eigentlich auch in Österreich?

alexander on :

Nein kein Hinweis, aber Martina und Christiane haben mich nach der Adresse gefragt und da wollte ich sie natürlich niemandem vorenthalten. :-)

Bis jetzt habe ich eigentlich alles was ich mir wünsche. (Abgesehen eventuell von Zahnbürsten die mir zusagen und meinen Birkenstockschlapfen, aber die gehen mir noch nicht genug ab)

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