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Ueno bei Nacht

Das ist die Fortsetzung von Ueno bei Tag.

Nach dem wirklich flashigem Eintritt in das Nachtleben von Ueno, aus dem völlig ruhigem Park, musste ich diese Gegend natürlich auch erkunden. Eine Mischung aus Vergnügungsviertel und Geschäftsviertel, mit riesigen Spielhallen, neben Karaoke Bars, monströsen Kaufhäusern und winzigen Läden und Ständen wie am Nachmarkt -- ein sehr eindrucksvolles Spektakel. Die Leute sind nicht so überdreht und ausgeflippt angezogen wie in Akihabara,[^1] eher Business Leute die nach der Arbeit noch auf einen Einkaufsbummel gehen oder Schulkinder die sich für eine Nacht in einer Karaoke Bar treffen. Dazwischen die Liebespärchen, die anscheinend nach einem Spaziergang durch den Park noch kurz einkaufen gehen.[^2]

Beim Umherspazieren wandere ich zufällig in eine ruhigere Gegend. Immer weniger Geschäfte locken mit ihren bunten Neonschildern. Schön langsam fange ich an zu überlegen ob es nicht an der Zeit ist umzudrehen, aber noch sind große Gruppen leicht angeheiterter Japaner in Anzügen unterwegs. Anscheinend ein Barviertel wo die Männer nach der Arbeit hingehen um sich zu entspannen.

Ecchi wa?[^3]

Bitte was? Eine maximal schulterhohe Japanerin, bis über beide Ohren geliftet, blickt mir einem merkwürdigen Lächeln zu mir hoch. Als ich mich umsehe fallen mir dann zum ersten mal auch die herumstehenden grimmig aussehenden Schränke von Japanern auf. Alle in schwarzen Anzügen, weißen Hemden und schwarzen Krawatten.

Way to go Alexander. Die erste Nacht in der ich wirklich was unternehme und schon lande ich im Rotlichtviertel und das noch ganz ohne den Stadtplan oder ähnliches zu befragen. Ich habe einfach ein Talent für sowas. Nur gut, dass ich noch keine Kamera hatte, sonst hätte ich mit Garantie wieder etwas fotografiert, dass man nicht fotografieren darf und hier können die Türsteher fast sicher mit kleinen Möchtegern-Aikidoka umgehen.

Also habe ich umgedreht und mich schön langsam auf den Rückweg gemacht. Meine Füsse wurden so und so schon schwer und es war Zeit sich nach einem Platz für die Nacht umzusehen.

Fortgesetzt wird der Tag im Post über das Capsule Hotel.

[^1]: Kennt ihr schon muss ich nicht mehr beschreiben [^2]: Ich würde das jedenfalls so machen, aber eigentlich waren zu wenige Japaner im Park um dies Massen zu erklären [^3]: Ecchi bedeutet inetwa Pervers

Ueno bei Tag

Auf der Suche nach einem Platz wo ich meinen schweren Koffer für ein zwei Tage verstauen könnte bin ich nach Ueno, einem der großen (U-)Bahnhöfe in Tokyo, gefahren. Dort habe ich dann meine letzten 800 Yen in den Spind geworfen und mich auf die Suche nach einem Bankomaten begeben.

Nachdem ich mein Geld dann endlich hatte war es bereits Nachmittag und so machte ich mich nur mit der vagen Idee in einem Capsule Hotel[^1] zu übernachten, daran die Gegend zu erkunden.

Ueno hat einen wunderschönen Park, den ich mir ausgiebig angesehen habe. Irgendwann hat der Park dann aufgehört und unglaublich nette zweistöckige Häuser haben, mitten in der Stadt, in der alles unter sechs Stockwerke klein ist, begonnen. Dazwischen Straßen die teilweise so klein waren, dass sich ein Auto gerade noch durchzwängen kann und aus der Ferne war leise das monotone Singsang Buddhistischer Mönche zu vernehmen.

Als dann noch die kleinen shintoistischen Papierfähnchen zur Abwehr böser Geister und die mit Kanji beschriebenen Siege auf den Häusern auftauchten, fühlte ich mich wie in einem Anime[^2] und die Sirenen lockten mit ihrem Gesang.

Vorbei an einem Buddhistischen Friedhof,[^3] dem unscheinbaren Buddhistischen Kloster mit dem Gesang hinein in eine Geschäftsstraße. Ein winziger Familienbetrieb neben dem anderen, fast wie in Indien, mit nur einem, zur Straße hin völlig offenen, Raum. Mit der einbrechenden Dunkelheit schließen auch immer mehr Handwerker ihre Läden und die Schulkinder in ihren Uniformen tauchen in den Straßen auf.

Eine lachende Gruppe Mädchen in ihren kurzen Schuluniformen kreuzt meinen Weg. Verstohlene Blicke in meine Richtung, Getuschel, Gelächter und schon verschwinden sie in eine Seitengasse.

Mein Orientierungssinn einer taubstummen Fledermaus führt mich dann schlussendlich wieder zurück in den Ueno Park. Dezent von ein paar verstreuten Laternen erleuchtet erwartet die Grillen mich schon mit ihrem freudigen Gezirpe und am Ende des Parks eine sechsspurige Straße, neunstöckige Hochhäuser mit riesigen Neonschildern die die Nacht zum Tag machen und von überall dröhnt der Lärm der Pachinko[^4] Hallen.

[^1]: Mein Reiseführer beschreibt Capsule Hotels als wenig mehr als Räume mit Sarg großen Schlitzen in der Wand, in denen man schlafen kann [^2]: eines von den netten, wo sich die Protagonisten am Schluss verlieben und keines von denen wo Gozilla Tokyo einstampft [^3]: Shintoistischer? Welche haben die langen schmalen Holzlatten als Grabsteine? [^4]: Ein in Japan sehr beliebter Glücksspielautomat, wobei die Hallen so laut sind, dass mir die Ohren anfangen weh zu tun wenn ich zu lange drinnen bleibe

Japanisch für Anfänger

Auf mehrfachen Wunsch will ich heute einmal einfache und äußerst wichtige japanische Phrasen vorstellen. Meine Übersetzungen sind nicht unbedingt wörtlich, beschreiben aber relativ genau was man damit erreicht, oder was die Japaner einem mitteilen wollen.[^1]

hai - ja
iie -- nein

Und bevor ich wirklich anfange noch eine kleine Bemerkung am Rande. Als ich angekommen bin, habe ich meine Bankomartkarte ganz einfach in den nächst besten Bankomaten gesteckt, meinen Pin eingegeben und er hat brav Geld ausgespuck.

aa okane ga nai -- huch ich habe kein Geld
sumimasen ATM wa doko desu ka -- Entschuldigung, können sie mir bitte sagen wo ein Bankomat ist?
sumimasen ginkou wa doko desu ka -- Entschuldigung, können sie mir bitte sagen wo die Bank ist?
mo sugu -- immer gerade aus (es kann sich dabei nur um Kilometer handeln)
sumimasen watashi no KYASHUKADO wa dame desu -- Entschuldigung meine Bankomatkarte funktioniert nicht.
yukkuri onegaishimasu -- bitte sprechen sie einwenig schneller (und am besten noch alle gleichzeitig)
eigo wa ii desu ka -- Könnten wir uns bitte auf eine Sprache (wie zB Englisch) einige, die wir beide wenigstens ein bisserl verstehen?
eigo wa chotto -- Bitte lernen sie zuerst japanisch bevor sie nach Japan kommen und arme Bankangestellte mit ihrer Unwissenheit belästigen
kono KYASHUKADO dame desu -- mit dem Plastikfutzl kriegst du hier sicher kein Geld!
dai PINCHI -- großes Problem

Ich bin schon so hungrig, dass ich schwanke und knapp vorm Umfallen bin. Mittlerweile ist es 13:30, ich stehe in der dritten Bank und habe seit gestern Abend noch keinen Krümel gegessen.

Der Türsteher der dritten Bank hat mich dann nach 30 Minuten verzweifelten Ringens mit der nicht englisch sprechenden Bankangestellten darauf hingewiesen, dass ich es bei der Post Bank probieren könnte. Die nehmen angeblich auch ausländische Karten.

Ich verzichte hier einmal darauf zu beschreiben was für ein Problem es war die Leute zu fragen wo die Postbank ist, wenn man die Worte für Post, Bank und "bitte wo ist... ?" kennt. JP ist das Zauberwort, alles andere kennen sie nicht. Das ist inetwa so wie wenn man bei uns nach der Postbank fragt und die Leute einem sagen es gibt hier keine Postbank, nur eine PSK. Noch ärgerlicher ist, dass sich die Banken aus irgend einem Grund weigern Geld von Kreditkarten abzuheben.

[^1]: JapanologInnen dürfen mich gerne auf meine sicher grausamen Fehler hinweisen, aber die Japaner verstehen das alles