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Ueno bei Tag

Auf der Suche nach einem Platz wo ich meinen schweren Koffer für ein zwei Tage verstauen könnte bin ich nach Ueno, einem der großen (U-)Bahnhöfe in Tokyo, gefahren. Dort habe ich dann meine letzten 800 Yen in den Spind geworfen und mich auf die Suche nach einem Bankomaten begeben.

Nachdem ich mein Geld dann endlich hatte war es bereits Nachmittag und so machte ich mich nur mit der vagen Idee in einem Capsule Hotel[^1] zu übernachten, daran die Gegend zu erkunden.

Ueno hat einen wunderschönen Park, den ich mir ausgiebig angesehen habe. Irgendwann hat der Park dann aufgehört und unglaublich nette zweistöckige Häuser haben, mitten in der Stadt, in der alles unter sechs Stockwerke klein ist, begonnen. Dazwischen Straßen die teilweise so klein waren, dass sich ein Auto gerade noch durchzwängen kann und aus der Ferne war leise das monotone Singsang Buddhistischer Mönche zu vernehmen.

Als dann noch die kleinen shintoistischen Papierfähnchen zur Abwehr böser Geister und die mit Kanji beschriebenen Siege auf den Häusern auftauchten, fühlte ich mich wie in einem Anime[^2] und die Sirenen lockten mit ihrem Gesang.

Vorbei an einem Buddhistischen Friedhof,[^3] dem unscheinbaren Buddhistischen Kloster mit dem Gesang hinein in eine Geschäftsstraße. Ein winziger Familienbetrieb neben dem anderen, fast wie in Indien, mit nur einem, zur Straße hin völlig offenen, Raum. Mit der einbrechenden Dunkelheit schließen auch immer mehr Handwerker ihre Läden und die Schulkinder in ihren Uniformen tauchen in den Straßen auf.

Eine lachende Gruppe Mädchen in ihren kurzen Schuluniformen kreuzt meinen Weg. Verstohlene Blicke in meine Richtung, Getuschel, Gelächter und schon verschwinden sie in eine Seitengasse.

Mein Orientierungssinn einer taubstummen Fledermaus führt mich dann schlussendlich wieder zurück in den Ueno Park. Dezent von ein paar verstreuten Laternen erleuchtet erwartet die Grillen mich schon mit ihrem freudigen Gezirpe und am Ende des Parks eine sechsspurige Straße, neunstöckige Hochhäuser mit riesigen Neonschildern die die Nacht zum Tag machen und von überall dröhnt der Lärm der Pachinko[^4] Hallen.

[^1]: Mein Reiseführer beschreibt Capsule Hotels als wenig mehr als Räume mit Sarg großen Schlitzen in der Wand, in denen man schlafen kann [^2]: eines von den netten, wo sich die Protagonisten am Schluss verlieben und keines von denen wo Gozilla Tokyo einstampft [^3]: Shintoistischer? Welche haben die langen schmalen Holzlatten als Grabsteine? [^4]: Ein in Japan sehr beliebter Glücksspielautomat, wobei die Hallen so laut sind, dass mir die Ohren anfangen weh zu tun wenn ich zu lange drinnen bleibe

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Comments

dp on :

Also ich bin mehr als positiv überrascht von deinen bisherigen Berichten aus Japan. Es entspricht überhaupt nicht dem Bild, das ich bisher über dieses Land hatte (grauenhaftes Essen, keine Grünflächen, vielstöckige Häuser mit winzigen Zimmern, Großkonzerne, viel zu viele Menschen auf engstem Raum). Schön, dass du es auch von einer anderen Seite siehst.

alexander on :

Heute habe ich in der Wohnung von jemandem übernachtet die größer ist als so manche Studentenwohnung in Wien :-D

Aber ich muss auch ganz eindeutig dazusagen, dass man sich das immer selber aussuchen kann wie man ein Land erlebt. Ich gehe halt herum, ratsche dauernd mit Japanern und versuche mich so weit als möglich anzupassen. Ich verbeuge mich immer, begrüße und verabschiede mich immer auf Japanisch, versuche so höflich wie nur möglich zu sein, soviel als möglich Japanisch zu reden und bedanke mich überschwänglich für jede Kleinigkeit.

Für eine Wegbeschreibung bedanke ich mich 3-4 mal, oder öfter, jedes Mal mit Verbeugung. Das führt dazu, dass mir die Leute dann sogar nachlaufen wenn ihnen noch etwas eingefallen ist, oder mir ein kleines Andenken an sie schenken. Mittlerweile habe ich schon einen ganzen Sack mit Dingen die ich Geschenkt bekommen habe. Man muss einfach nur wirklich freundlich sein, sich ein wenig auf die Leute einlassen, versuchen japanisch zu reden und auch in Wien ignorieren mich mehr als genug Leute auf der Straße wenn ich etwas fragen will. Der einzige Unterschied ist, das hier die Körpersprache beim Ignorieren eine andere ist und es deshalb mehr auffällt.

Außerdem frag ich die richtigen Leute. Entweder Schulkinder oder Pensionisten. Beide sind meistens sehr nett und ratschen gerne mit mir. Ein Arbeiter der eh schon spät von einem Termin zum anderen hetzt wird verständlicher Weise eher wenig Zeit haben sich mit einem Ausländer zu unterhalten. Eine Oma in einer kleinen Seitengasse in die es nie Touristen verschlägt hat das Erlebnis des Tages gehabt, wenn sie dem Ausländer erfolgreich den Weg erklären konnte und Schulkinder haben mehr Zeit (wenn sie auf der Straße herumlungern) und weniger Hemmungen.

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