Eine Karte übergeben
Aus Wien habe ich eine Karte mit einer Introduction für den Aikido Trainer an der Todai mitbekommen, nur war mir nicht ganz klar was da hinten draufsteht und fast noch wichtiger -- wie man die richtig übergibt. Glücklicher Weise gibt es hier ja genug Japaner, die man nach der richtigen Etikette fragen kann.
This is not Samurai Edo -- Just give it to him. To be polite ist good, but this is the 21 century you know.
Verdammt irgendwas muss ich da wohl falsch verstanden haben. Im Wien des einundzwanzigsten Jahrhunderts starren mich die Leute beim Essen nur dann an wenn ich schlürfe oder die Nase in der U-Bahn wiederholt und laut aufziehe anstatt sie mir zu putzen. Auch an der Kassa schauen sie mich nicht völlig entsetzt an, wenn ich das Geld einfach nur auf den Tresen, anstatt in die kleine dafür vorgesehene Tasse, lege. In Japan bekomme ich für so eine barbarische Handlung entsetzte Blicke und entweder sie legen das Geld zuerst in die Schale und nehmen es dann erst, oder warten darauf, dass ich es wieder aufnehme und selber hinein lege. Bis jetzt hat jedenfalls noch keiner das Geld einfach nur so von Tresen genommen.
Im ersten Hotel wollte die Rezeptzionistin irgendetwas von mir haben und hat mir die Hand dabei so hingestreckt, dass ich sie automatisch geschüttelt habe.
Ich gebe zu, dass wir das einundzwanzigste Jahrhundert schreiben -- auch in Japan, aber das bedeutet noch lange nicht, dass die Sitten angeglichen sind. Nur weil ich vom Aikido und Japanologie ein bisserl Ahnung von japanischer Etikette habe heißt das noch lange nicht, dass ich eine Ahnung habe wie man eine Karte höflich übergibt. Selbst in Europa würde ich mir länger überlegen wie ich das am besten bewerkstellige, aber hier in Japan, wo die Regeln teilweise viel strikter sind als bei uns, wird das natürlich noch viel spannender.
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