Japanisches Arbeitsleben
Mein Host, bei dem ich zur Zeit wohne, weil mein Heim noch nicht bereit ist, geht einem normalen japanischem Beruf als etwas höherer Angestellter bei DHL nach. Genauer gesagt ist er, soweit ich das verstanden habe, verantwortlich für das Auslieferungslager von DHL für GAP Japan.
Arbeitsbeginn ist für ihn normalerweise um 6:00 und gestern ist er um 23:15 nach Hause gekommen. Am Sonntag war noch bis 19:30 auf einem Meeting und Samstag ist er auch irgendwann zwischen 22:00 und 23:00 nach Hause gekommen. Auf meine Frage hin ob das denn normal ist hat er nur gemeint Japaner machen in der Universität nichts, müssen dann aber etwas mehr arbeiten. Außerdem ist das jetzt eine wichtige Zeit für seinen Beruf, wenn er dann eine Frau und ein Kind hat will er etwas weniger arbeiten.
Er wohnt schon über ein Jahr in der Wohnung, die Umzugsschachteln sind noch immer nicht ausgeräumt und ich habe ihn noch zu keiner Mahlzeit zu Hause gesehen. Pause macht er 15-30 Minuten zum Mittagessen, wenn er von der Arbeit kommt duscht er, trinkt noch einen Schluck Alkohol, setzt sich für 20-30 Minuten vor den Fernseher, rollt sein Futon aus und geht dann schlafen um am nächsten Tag, nach fünf bis sechs Stunden Schlaf, wieder aufzuwachen und ihn die Arbeit zu hasten.
Japaner schlafen oder dösen in der U-Bahn, weil sie in der Nacht zu wenig Schlaf bekommen und wenn man sowieso 30 Minuten oder länger in der U-Bahn sitzt kann man die Zeit auch vernünftig nutzen.
Wenn ich mir das so ansehe, dann kommt es mir auf einmal gar nicht mehr so unrealistisch vor, dass der Chef Sekretärinnen einstellt um seinen braven Angestellten Frauen zu verschaffen und auch das mit dem radikalen Anbraten auf der Straße kann ich mir jetzt schon eher vorstellen.[^1] Man trifft ja außerhalb der Arbeit niemanden. Mich, der in seiner Wohnung lebt, hat mein Host gerade einmal 20 Minuten gesehen, und das ist jetzt schon die dritte Nacht die ich hier übernachten werde.
Foto gibt es leider keines, obwohl ich jetzt eine Kamera habe wollte ich doch keinen schlafenden Japaner in der U-Bahn fotografieren. Es starren mich auch so schon die Hälfte der Fahrgäste an, da muss ich nicht unbedingt auch noch mit der SLR herumfuchteln.
Fotos von Tokyo, hauptsächlich Akihabara, gibt es auf meiner Flickr Seite zu sehen.
[^1]: Ich habe das bis jetzt noch nicht ausprobiert, weil am Anfang war ich noch zu müde vom Jet-Lag und jetzt regnet es draußen