japanischer Frisör
In Österreich bin ich ja nicht unbedingt ein Fan von Frisören. Für mich sind sie eher ein notwendiges Übel, dass dank meines wuchernden Haarwuchses, einmal alle fünf bis sechs Wochen über mich kommt. Danach sind die Haare überall, alles juckt und ich muss mir 2-3 mal die Haare waschen bis die meisten der geschnittenen Haare dann auch endlich meinen Kopf verlassen haben. Diese Erfahrungen aus Österreich plus meiner Unfähigkeit meine Wünsche einer japanischen Frisörin mitzuteilen -- ich kann: schneiden, bitte, kurz, lange und Angaben in Zentimeter und Millimeter von mir geben -- haben mich, neben einem akuten Freizeitmangel, bis jetzt immer davon abgehalten zum Frisör zu gehen.
In den fast drei Monaten die ich jetzt schon in Japan bin, sind meine Haare allerdings auf unangenehm wuchrige Ausmaße angewachsen und so blieb mir nichts anderes mehr übrig als in den sauren Apfel zu beißen und einen Frisörsalon aufzusuchen. Drei- bis Viertausend Yen[^1] sind zwar etwas mehr als ich bei uns zahlen würde, aber noch immer sehr erträglich, wenn man bedenkt, dass hier eigentlich alles etwas teurer ist.
Wie immer in Japan begrüßt mich beim Betreten jeder Angestellte in dem Salon mit einer Verbeugung, einem freundlichen Willkommen und einem Lächeln.
Sehr geehrter Kunde, haben sie einen Termin?
Wie cool ist das! Ich verstehe haben sie einen Termin auf japanisch -- leider habe ich keinen.
Macht aber gar nichts, weil wenn ich bereit bin kurz zu warten können sie mich auch so dran nehmen. Keine zwei Minute später -- bei den meisten Frisören in Österreich wartet man mit Termin länger -- versucht ich meiner Frisörin zu erklären, dass ich mit allem was sie mit mir anstellt zufrieden sein werde und während österreichische Frisöre dann völlig nutzlose Fragen stellen würden, die ich eh nicht beantworten könnte, denkt die Japanerin kurz nach, zeigt mir dann ein Bild von dem was sie für vernünftig hält und fängt, nachdem ich meine Zustimmung gegeben habe, an. Das heißt sie bittet ihre Kollegin mir, so wie in Österreich auch, zuerst einmal die Haare zu waschen.
Dann kommt das eigentliche Schneiden. Während ich mir in Österreich nie sicher bin ob sie mir beim Ausdünnen nicht einfach ein paar Büschel Haare Ausreißen, ist das hier nicht nur nicht unangenehm, sondern wirklich angenehm. Kein ungut kratziger Papierkragen, kein Herumdrehen am Kopf, kein Zupfen, keine lästigen Forderungen wie man den Kopf jetzt halten soll -- einfach nur entspannend. So wie wenn man 15 Minuten lange den Kopf gekrault bekommt. Jedes mal wenn sie in die Haare greift habe ich das Gefühl sie genießt das wirklich.[^2] Am Ende kommt sie dann mit dem Spiegel und man darf das Ergebnis betrachten.
Sehr nett.
Dann bittet sie mich aufzustehen und mitzukommen -- noch einmal zum Waschen, diesmal mit Conditioner, dann gibt es eine entspannende Kopf und Schulter Massage, dann noch einmal kurz nach schneiden, Ausblasen, Stylen und am Schluss begleiten mich alle drei, die Haarwäscherin, die Frisörin und die Massöse zum Lift, verbeugen sich noch einmal, bedanken sich für meinen Besuch und wünschen mir einen schönen Tag.
Am liebsten würde ich ja nächste Woche wieder hingehen, aber meine Haare wachsen leider so langsam, dass ich nur alle drei bis vier Wochen zum Frisör muss.
[^1]: inetwa 25 Euro bei dem derzeitigen Wechselkurs [^2]: Japanische Mädchen finden europäisches Haar sehr nett, weil es so weich und flauschig ist -- wie bei einem teuren Plüschtier, aber ich bin mir nicht sicher ob das bei einer Frisörin wirklich eine Rolle spielt
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Comments
christof on :
"noch eine Massage, ausblasen..." also in österreich bekommt man diese behandlung in anderen etablissements...
Julia/Rashidanya (not logged in) on :
Ich schließe mich an:
FOTO! FOTO!
(Faule Ausreden gelten nicht. Mach einfach ein experimentelles Selbstportrait mit Spiegel oder so.)
Stefan on :
Super, so hätt ich das in Ö auch gerne! So lass ich mir die Haare immer auf ein paar mm abschneiden und dann wieder ein Jahr wachsen
dp on :
Auf ein Foto bin ich auch schon neugierig - und was die dreifache Begleitung bis zum Lift betrifft, hege ich den Verdacht, dass du ihnen bis dahin noch kein Trinkgeld gegeben hast!
Eva on :
Picture...we want a picture!!!!!
alexander on :
Ein Selbstportrait ohne Stativ und Fotografen ist gar nicht so einfach. Nochdazu hätte ich gerne einen vernünftigen Hintergrund und das macht das ganze noch schwerer. Eventuell spreche ich morgen einfach irgendwen auf der Straße an ...
Der Lieblingsbruder on :
Was mir bei deinem Bericht fehlt ist die Schilderung vom Ergebnis. Es macht mich etwas stutzig, dass du bei jedem deiner Artikel ein Bild mit postest, außer eben bei diesem...