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Bonenkai

Professoren und Backhendl In Japan gibt es eine traditionelle Feier zu Jahresende -- 忘年会 -- wörtlich inetwa vergessen Jahr treffen und bei den meisten dieser Feier wird auch alles gemacht um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Viele meiner Freunde sind froh, wenn sie nach so einer Feier noch halbwegs gerade stehen können -- ans gerade gehen denkt da nämlich eh keiner mehr.

Diesen Sonntag hatten auch wir unser bonenkai und ich war von der Aussicht einen schönen sonnigen Nachmittag mit meinen rein männlichen Arbeitskollegen saufend in einem Haus verbringen zu können voll und ganz begeistert. Vorallem nachdem die alternative Beschäftigung Weihnachtseinkäufe und bewundern der Weihnachtsbeleuchtung mit einer netten Japanerin gewesen wäre, aber wie so oft in Japan ist die Firma wichtiger als die Familie[^1] und so war es nie wirklich eine Frage für welche der zwei Möglichkeiten ich mich entscheiden würde.[^2]

Hat sich dann herausgestellt, dass unser bonenkai unglaublich viel besser war als die meiner Kollegen. Gefeiert wurde im Haus meines Professors,[^3] seine Frau hat für uns gekocht und der französische Professor hat wirklich guten Wein mitgebracht. Es gab praktisch keinen Reis, viel Gemüse und Fleisch und am Ende hat die Frau des Professors auch noch Tee gemacht.

Das ganze Essen muss ein Vermögen gekostet haben, war wirklich gut, niemand musste mehr trinken als er wollte und es gab mehr zu essen und trinken als wir je hätten verputzen können. Gekostet hat uns das ganze nichts. Der Professor hat uns auf das alles eingeladen.

Die Gänge im einzelnen:

  • Weichkäseplatte mit eingelegen Anchovis, Austern und Kugelfisch.
  • Käsefondue
  • Eine große Schüssel mit Fleisch, Gemüse und Nüssen (kein Ahnung was das war)
  • Brathendl (drei Stück)
  • Rostbraten (drei Stück)
  • Nasi Goreng (?) mit Gemüse und Muscheln
  • Kuchen und Grüntee-Pudding
  • Teezeremonie

Von jedem einzelnen Gang wäre ich satt geworden und so war ich am Ende rund und überglücklich mich für unser Bonenkai entschlossen zu haben. Die Ausgewogenheit zwischen japanischer Kultur und wirklich gutem Essen war einfach perfekt. Höchst wahrscheinlich das beste Treffen, dass ich bisher in Japan hatte -- eindeutig viel besser als die Halloween-Party, die bisher relativ weit oben kursiert ist.

Irgendwie entschädigt so eine Feier voll und ganz für die zehn bis zwölf Stunden die ich hier pro Tag arbeite.[^4]

[^1]: Es ist übrigens auch verboten jemanden der nicht zur Gruppe gehört mitzubringen [^2]: Der zweite Austauschstudent in meinem Lab ist unglücklicher Weise in letzter Sekunde krank geworden und hat deshalb der Feier nicht beiwohnen können [^3]: Normalerweise feiert man in irgendeinem halbwegs billigem Lokal [^4]: Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass das in Österreich genau so währe. Hier ist das Arbeitsklima einfach völlig anders

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Comments

dp on :

Ist die Frau deines Professors Japanerin oder Französin? Wie lange leben sie schon in Japan? Wollen sie dort bleiben oder ist das nur ein befristeter Lehrauftrag?

alexander on :

Ich habe zwei Professoren. Einen japanischen, der ist der Leiter des Institutes und den französischen, der ist der zweite volle Professor am Institut und beide haben japanische Frauen.

Der französische Professor hat nur eine einzige Zeile bekommen als er angestellt wurde "You are appointed". Keine Zeitangabe wie lange oder wie fix >:E

Kein Scherz echt war. Der Vertrag besteht aus Briefkopf, einer Zeile Text und Siegel (angeblich ich habe ihn nie mit eigenen Augen gesehen, aber ein zweiter ausländischer Professor den ich hier getroffen habe hat mir das gleiche gesagt)

Er hat die Stellung jetzt schon seit inetwa 5 Jahren und war vorher schon länger in Japan. Laut eigener Aussage erwarten alle, dass er früher oder später die Stellung wieder aufgibt, aber niemand würde ihn rausschmeißen oder sagen wann es so weit ist. (Typisch japanisch halt :-) )

Ich glaube nicht, dass er vor hat in nächster Zeit Japan zu verlassen.

Die Feier war im Haus des japanischen Professors.

Auf dem Bild sind beide Professoren zu sehen und es gefällt mir so gut, weil man sieht wie ähnlich sie sich teilweise sind.

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