Lasermikroskop
Wir haben hier dieses wirklich tolle Lasermikroskop mit super Funktionen, dass ich unbedingt verwenden soll und das eine rein japanisch Software hat. Auf die englische Bedienungsanleitung habe ich über eine Woche gewartet, nur um dann festzustellen, dass die japanische Version der Software anscheinend leicht unterschiedlich ist.
Naja was solls. Mit einem Japaner zum Übersetzen am meiner Seite und einer 400 Seiten starken englischen Bedienungsanleitung konnte ja nicht so viel passieren. Also habe ich mich hingesetzt, blind auf die Knöpfe an den richtigen Positionen gedrückt und mich an hübschen Bildern erfreut -- zumindest so lange bis das Objektiv nach einem beherzten Druck auf Autofokus zügig in mein Substrat gefahren ist.
Nicht so gut.
Danach waren die Bilder irgendwie völlig unscharf, mit merkwürdigen Streifen überseht und mein japanischer Partner noch blasser und wortkarger als vorher.[^1] Nach 5-10 Minuten und einen Reboot des Mikroskops hat er dann im Flüsterton festgestellt:
I think we destroyed the lens.
Einfach genial! Mein zweiter Tag an dem Mikroskop und das erste was ich mache ist ein Objektiv zu zerstören. Noch dazu eines das rein so auf den ersten Blick mindestens 10.000 Euro kostet. Hin ist hin, also habe ich die Messdaten noch ausgewertet und bin mit einem vernichtet dreinsehenden Kollegen zu meinem Professor gepilgert.
Der Bericht war schnell vorgebracht. Mikroskop ist cool, aber nicht ganz leicht zu bedienen, die Daten die es produziert sind nicht optimal für das was wir vorhaben und eventuell ist ein Objektiv kaputt geworden -- ja das große starke.
This is a disaster. This lens is expensive enough to live in of the best quarters of Tokyo for a month -- or more.
Wie gesagt 10.000 Euro oder mehr, wobei ich mir sicher bin, dass eine Nacht in Tokyo locker 10.000 Euro kosten kann, also eher 300.000 Euro oder mehr. Während ich noch bedrückt ausgesehen und über die Konsequenzen nachgedacht habe hat mein Kollege sich schon nach einer Katana für den rituellen Selbstmord umgesehen.
Ok lets go down and have a look at it.
Bei unserer Ankunft hat dann auf wundersame Weise wieder alles funktioniert und unser Professor hat -- äußerst erleichtert -- nur über die unmenschliche Hitze und den deutlich zu hohen Sauerstoffgehalt[^2] im Reinraum geschimpft. Nächste Woche kommt dann angeblich der Experte für das Mikroskop und wird mich einschulen. Hoffentlich auf englisch, weil sonst kann er mir gleich einen Vorschlaghammer in die Hand drücken und viel Spass wünschen.
[^1]: Mir war nicht klar, dass man noch schweigsamer und blasser werden kann als er vorher schon war [^2]: Das Sauerstoffmeter an der Wand hat vor Panik herum geblinkt
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Comments
alexander on :
Mag sein, aber im Normalfall erreiche ich das was ich will und meine Mitmenschen profitieren oft auch noch davon. Wir hätten nie einen Experten für das Mikroskop bekommen wenn ich das Objektiv nicht fast vernichtet hätte. Es ist nichts passiert, der Experte kommt und alle die mit dem Mikroskop eventuell arbeiten wollen bekommen eine tolle Einschulung.
Ich glaube sogar, dass der Experte gratis mit dem Mikroskop mitkommt und wir ihn nur hätten anrufen müssen, aber sich keiner getraut hat den Professor zu fragen ob das nicht möglich wäre. Hier gilt einfach besser ein halbes Jahr ungenaue Messergebnisse als einmal zuviel nachfragen.
dp on :
Deine Methoden, das zu erreichen, was du willst (einen Experten, der dich einschult) sind manchmal sehr drastisch
B7r on :
Nachdem die Anleitungen ja mittlerweile sehr oft durch Computer uebersetzt werden, kanns da tlw. auch zu sehr interessanten Ergebnissen kommen... Aber, dass die Software dann auch noch anders ist :eek:
Objektiv zw. 10k und 300k Euro zerschrotten: respekt aber zum Glueck is ja nix passiert
dann wuensch ich mal viel Erfolg bei der Einschulung und dem weiteren Arbeiten mit dem Ding
was genau sehen wir da den eigentlich auf dem Bildchen?
MfG nach Tokyo, Werner