Amsterdam bei Nacht

Hasch, Krack, Kokrain?
Holländer klingen wie Tiroler wenn sie versuchen Drogen zu verkaufen und mit dieser Erkenntnis betraten wir auch schon das Rotlichtviertel von Amsterdam.
Three for only seventyfive!
Drei was? Frauen -- zugleich? Darf man dann den Freund zum Helfen mitnehmen, oder muss ich mich da alleine abplagen?
Eine lange Straße mit dem üblichen Kanal in der Mitte gesäumt von eine Auslage neben der anderen, alle mit äußerst leicht bekleideten aufmunternd winkend oder tanzenden Frauen dahinter. Dazwischen wanken und stolpern Touristen und Einheimische mit offenen Mündern von einem Ausschnitt zum nächsten Höschen herum und dazwischen natütlich die einzig nüchternen, unbeeindruckten, allgegenwärtigen Dealer und Aufpasser.
Die stolzen, rein weißen Schwäne, die bedächtig im, durch die Beleuchtung der umliegenden Bordelle blutrot gefärbtem, Kanal herum paddeln, geben dem ganzen eine surreale Note. Symbole der Tugendhaftigkeit und Ritterlichkeit inmitten des Inbegriffs von Sündenpfuhl.
Ein Schwall Hasch geschwängerter Luft trifft uns und Günter schleift mich in eine Seitenstraße. Weniger Leute, düsterer und der Boden ist nicht mehr gepflastert sondern lehmig -- teilweise mit Stegen aus scheinbar willkürlich herumliegenden Brettern.
Das hier sind keine Frauen und wenn doch, dann haben sie einen Sticker auf dem "real woman" steht.
Günters geraunte Anweisungen erklären das maskuline Äußere der Frauen in den Auslagen. Hält man hier Augenkontakt, oder schaut man lieber schnell weg? Zwei rasche Biegungen später empfängt uns das warme und einladende rote Glühen der Hauptstraße wieder. Vorbei an Piercing Studios durch eine Gasse die so eng ist, dass man nur hintereinander durchgehen kann.
Hier hat es vor kurzem fast eine Schlägerei gegeben, weil ein Tourist eines der Mädchen fotografiert hat.
Mittlerweile ist es schon 1:30. Viele der Zimmer sind durch einen Vorhang vor den neugierigen Blicken der Passanten geschützt und so machen wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof.
Erstaunt hat mich nur, dass fast alle Frauen gleich, oder zumindest ähnlich, ausgesehen haben -- groß, schlank mit langen glatten Haaren und inetwa der gleichen Bekleidung.[^1] Ich hätte erwartet, dass es mehr Variationen gibt, damit die die einem wirklich gefallen hervorstechen. So haben sie für mich nach der den ersten paar Metern alle fast gleich -- uninteressant -- ausgesehen. Wer will schon das haben was alle paar Meter angeboten wird?
Bilder gibt es leider keine, aber nachdem mich wirklich jeder davor gewarnt hat Fotos von den Prostituierten in Amsterdam zu schießen hielt ich es dann doch für besser die Kamera zu Hause zu lassen. In Anbetracht der sehr durchtrainiert und sportlich aussehenden Türsteher war das sicher eine gute Idee.
[^1]: Selbst wenn sie nichts anhaben könnten sie das variieren um wenigstens ein bisschen Abwechslung zu schaffen
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