Kanji

Manche Leute stellen sich Kanji lernen ja eher schwer vor und solange man die Zeichen nur als eine wilde Ansammlung von Strichen sieht ist es auch nicht ganz einfach, vorallem weil man sich nicht nur die Zeichen, sondern auch noch die Bedeutung, eine Handvoll verschiedener Aussprachen Kanji und diverse Kombinationsmöglichkeiten merken sollte. Aber sobald man aber einmal begriffen hat, dass sich die Kanji eigentlich nur aus verschiedenen kleinen Teilen, den Radikalen, die wieder alle eine Bedeutung haben, zusammensetzen wird es deutlich leichter. Vorallem weil dann nicht nur jedes Wort, sondern auch jedes Kanji eine eigene kleine Geschichte hat.

Deshalb will ich ab jetzt jedes Wochenende ein neues Kanji vorstellen.1

Es gibt Bücher, da erfindet der Autor irgendwelche abstrusen Geschichten, damit man sich die Kanji und deren Aussprache besser merken kann, aber ich finde die Etymologie meist deutlich spannenden und interessanter als die faden und erfundenen Geschichten. Und obwohl ich oft nicht so weit daneben liege mit meinen Vermutungen schöpfe ich meine Weisheit doch aus dem Skriptum von Prof Holubowsky "Die chinesischen Schriftzeichen im Japanischen", dem Buch "A Guide to Remembering Japanese Characters" von Kenneth G. Henshall und Kanji Networks einem Etymologischem Kanjiwörterbuch im Internet.

Ein Problem sollte allerdings nicht ganz unerwähnt bleiben. Political correctness (政治的妥当性) hat eindeutig zu viele Kanji und wird daher eher nicht vorkommen. Wobei der Großteil der Schuld daran bei den Chinesen aus der Han-Dynastie liegt. Die haben die Zeichen nämlich vor über 3000 Jahren vereinheitlicht und dabei anscheinend ganz auf etwas so wichtiges vergessen.

Und am Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass bei uns noch im 17 Jahrhundert so Nettigkeiten wie "aus dem letzten Loch pfeifen" nach dem (damals tödlichem) Lungenstich beim Duell gerade ganz groß in Mode waren und ich bei einigen Wörtern gar nicht so genau wissen möchte woher sie kommen.

  1. 1. bei meinem Durchhaltevermögen wären das dann genau drei Kanji, deshalb habe ich auch schon einmal vorsorglich 10 herausgesucht, damit bin ich zumindest für die nächste Zeit gewappnet.

南 Süden Meine Kanji Texte sind fast fertig vorgeschrieben und ich bräuchte sie nur online stellen, aber selbst das schaffe ich nicht -- Schande über mich. Ich will in den Süden, an einer Hauswand lehnen und mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.

Und obwohl in 南 (NAN, minami) kein Bauch vorkommt stellt es doch die warme Zeltseite dar. Anscheinend wussten selbst die chinesischen Gelehrten zwischen all den umherfliegenden Brandpfeilen die angenehme Wärme der Sonne zu schätzen.

妻 Ehefrau Die Ehefrau 妻 (SAI, tsuma) stellt eine Frau (女) dar, die einen Besen benutzt.

Während bei uns in den Fünfzigern die Frau noch ihren Mann nach allen Regeln der Kunst verwöhnen musste um als gute Ehefrau zu gelten, jedenfalls wenn man den Haushaltszeitschriften aus der Zeit Glauben schenken darf, waren die Chinesinnen anscheinend schon deutlich emanzipierter und haben sich, jedenfalls im Kanji, auf eine Haupttätigkeit, das Putzen, beschränkt.

Erstaunlich finde ich nur, die Wahl der Haupttätigkeit. Mir wäre gutes Essen deutlich wichtiger als eine geputzte Wohnung.1

  1. 1. Muss es mir wohl auch sein, wenn ich mit Georg und Christof zusammen leben kann

黄 Gelb Gelb, damit verbinden sicher viel Menschen die Farbe der Sonne, aber die Chinesen wussten schon lange vor Christi Geburt, dass nur mit Licht und Liebe alleine nix weitergeht. Außerdem gibt es diese lästigen bedeckten Tage, Sonnen auf und untergänge und überhaupt ist sie inetwa die Hälfte der Zeit, nämlich die ganze Nacht durch, nicht zu sehen. Insofern kein optimaler Referenzpunkt.

Was liegt also näher als etwas zu nehmen, dass man erstens sowieso immer zur Hand hat, zweitens schön gelb leuchtet und drittens auch noch dafür sorgt, dass die Feinde endlich befriedet werden. Und genau deshalb bezeichnet Gelb die Farbe des brennenden Brandpfeiles.

民 Volk Anfange möchte ich mit meinem Lieblingskanji überhaupt. Das Kanji für Volk oder Nation.

民 (MIN, tami) stellt ein mit einer Nadel 針1 (SHIN, hari) geblendetes Auge 目 (MOKU, BOKU, me, ma) ohne Pupille dar.

Offensichtlich haben die Chinesen schon vor über 2000 Jahren gewusst, dass das Volk blind und blöd ist und einfach auf alles vertraut, was einem das Fernsehen vorsagt. Inetwa so wie die geblendeten Sklaven, die ja auch genau das machen was man ihnen sagt.

  1. . a. b.