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Beijing

Markus fertig und mit Jetlag Wie züchtet man sich solche Augenringe?

Ganz einfach 14-16 Stunden 7 Tage die Woche arbeiten. Am besten in einer Stadt in der die Luft so verschmutzt ist, dass die Lunge die äquivalente Belastung einer Schachtel Zigaretten pro Tag verkraften muss.

Aber dafür ist der Himmel blitzblau und es ist auch relativ lukrativ in einem Restaurant in Beijing zu arbeiten. Nicht nur für sie chinesischen Angestellten, die mit großzügigen 150 Euro pro Monat schon fast überbezahlt werden,[^1] sondern auch für die Teilhaber. Mit mehr Geld als jeder anderer meiner Freunde, zusätzlich zu einer 150 Quadratmeter Dachgeschosswohnung, die natürlich auch von der Firma bezahlt wird, einer netten Freundin,[^2] für die die Firma aber nix kann, und perdu mit den wichtigsten deutschen CEOs in Beijing zu sein ist es ja fast schon wert die Gesundheit für ein paar Jahre zu ignorieren.

Und sonst?
Internet funktioniert angeblich problemlos, jedenfalls solange man nicht auf subversive Seiten wie die Wikipedia oder das eigene Blog bei Bloglines zugreifen will. Im besten Fall laden die Seiten einfach nicht, aber alles bis zu einer Meldung, dass man vorsichtig sein soll was man macht, weil der Computer überwacht wird ist möglich. Der Liter Schlag kostet das Restaurant im Einkauf 4 Euro und beim Strom kauft man sich ein Guthaben. Wenn das aufgebraucht ist drehen sie den Strom einfach ab. Gesundheitsvorsorge, für Österreicher immer ein tolles Thema, gibt es dort auch, nur leicht abgewandelt in Form einer gut gefüllten Brieftasche, da man im Krankenhaus nur gegen Bargeld im Voraus oder mit Kreditkare am Tisch behandelt wird.

Alles in allem gefallen mir die Geschichten aus Beijing eigentlich sehr gut, schade nur, dass Markus jetzt so viel zu Tun hat, dass er weder für uns kocht, noch länger als 1-2 Stunden vorbeischaut.

[^1]: erkennt man daran, dass sie länger als zwei Wochen bei dem gleichen Arbeitgeber bleiben und nicht irgendwann einfach nicht mehr auftauchen [^2]: Villacherin, also sollte ich das nett eventuell noch einmal überdenken

Hallway Acrobatics

einarmiger Handstand Unlängst bin ich auf Flickr über die Gruppe Hallway Acrobatics gestolpert und mein natürlicher Drang bei jedem Blödsinn mitzumachen hat fast sofort die Oberhand gewonnen. Der Coolness/Aufwand Faktor ist meiner Meinung nach bei den einarmigen Handständen eindeutig am besten[^1] und so habe ich Christof dann am Sonntag Abend dazu engagiert ein paar Fotos von mir im einarmigen Handstand beim Buchlesen[^2] zu schießen.

Den Blitz und die Kamera hatte ich schon zuvor richtig eingestellt und eigentlich musste er nur noch durchsehen und abdrücken.

Also schwinge ich mich, nach einer (sehr) kurzen Erklärung, in den Handstand, hebe unter großem Gekeuche eine Hand, versuchen umzublättern und dabei freundlich zu lächeln, aber irgendwie kommt kein Blitz und schön langsam, genauer gesagt ganz schön schnell, geht mir die Kraft aus.

Du das macht nix
Nur abdrücken!!
Das macht nur bssst bssst und nix passiert

Ich beende den einarmigen Handstand wanke zur Kamera und schieße Probefoto -- funktioniert einwandfrei.
Sicherheitshalber stelle ich den Autofokus auf alle Fokuspunkte ein und schwinge mich dann nochmal rauf in den Handstand, auf eine Hand, versuchen umzublättern und es kommt schon wieder kein Blitz und auch das vertraute Klacken des Verschlusses ist nicht zu hören.

Soll ich eigentlich stehen oder sitzen?

Irgendwie verhindert das viele Blut, dass sich mittlerweile in meinem Kopf angesammelt hat, dass ich klar denken kann, also raus aus dem Handstand, vorsichtig auf den Boden setzen und lächeln.

Möglichst tief sitzen. Und lass den Finger am Abzug, damit du mehrere Fotos machst und ich wenigstens auf einem halbwegs entspannt aussehe.

Kaum das meine Finger den Boden berühren geht auch schon ein Blitzlichtgewitter los und bis ich im Handstand bin hat er sicher schon 5 Fotos von meinem Hintern gemacht -- Endlich, die Kamera fokusiert und wenn das so weiter geht komme ich zu meinem blöden Bild im einarmigen Handstand überm Buch. Ich hebe die Hand und in dem Moment wo meine Finger den Boden verlassen geht dem Blitz natürlich der Saft aus und er muss für ein paar Sekunden aufladen.

Das Blut schießt mir in den Kopf und ich sehe längst nicht mehr so entspannt aus wie ich mir das vorgestellt habe, aber der Blitz geht endlich wieder los. Ab dann fokussiert die Kamera, Christof framet die Fotos so wie ich es mir vorgestellt habe und mein Kopf sieht aus wie eine Tomate kurz vorm Explodieren, aber ich bekomme endlich mein Foto im einarmigen Handstand.

Nach diesem durchschlagenden Erfolg bleibt mir jetzt nur noch zu überlegen was von den Dingen die dort gezeigt werden ich als nächstes probiere.

[^1]: Wenn ich eine hübsche Frau wäre würde ich mich sicher irgendwie verdreht im Vorhaus fotografieren, aber bei Männern finde ich das nicht so ansprechend [^2]: Die Hagakure auf japanisch, falls es wen interessieren sollte

Die jung gebliebenen

Gehstock Das einige meiner Freunde nicht mehr ganz jung sind war mir ja schon länger bewusst, dazu musste ich nicht erst die Erfahrung machen, dass ihre Vorstellung von einer wilden Nacht gemütliches Ratschen bei gedämpfter ruhiger Musik, ein vierterl Wein und nach Hause fahren mit der letzten U-Bahn sind. Da gilt es teilweise schon als aufregend, wenn ich Sportsocken von Tommy Hilfiger anziehe und die Diskussionen schwenken regelmäßig auf Kreuzprobleme und die richtige Wahl des Lattenrostes oder der Matratze ab.

Glücklicher Weise gibt es da auch noch Leute wie Markus, der beim Skateboarden von Teenagern manchmal für 19 oder gar schon 21 gehalten wird. Wenn sie dann erfahren, dass er 29 ist sind sie meistens voll begeistert davon, dass ein Opa, der mit 29 mit einem Fuß praktisch schon im Grab steht, noch so cool sein kann. Aber ich befürchte er ist eher eine Ausnahmen, die die Regel nur bestätigt.

Schlimm wird es, wenn Christof so nebenbei murmelt

Jetzt werde ich schön langsam wirklich alt.

Der ist 85 geboren und fängt an sich Sorgen zu machen, weil er sich mittlerweile eventuell merken sollte wie die Mädchen heissen -- jedenfalls so lange bis sie am nächsten Morgen bei der Türe draußen sind.

Und ich?

Einmal ganz abgesehen davon, dass ich seit dem 5. November mehr als 25 Hits von Suchanfragen von Google mit Alexander Paulsen Geburtstag bekommen habe,[^1] und daher befürchte, dass die Japanologinnen sich nicht mehr so ganz sicher sind wo sie mich altersmäßig einordnen sollen, war ich bis jetzt eigentlich ganz zufrieden damit, dass mich die meisten Leute auf 24 geschätzt haben und ich noch nicht über Bettwärmer und Rheumadecken nachdenke. Allerdings ist mir ein gewisser Unwille mich mit neue Systeme, wie beispielsweise Facebook oder StudiVZ, auseinanderzusetzen schon länger negativ aufgefallen. Insbesondere nachdem ich sehe wie intensiv Markus, der einzig wahrhaftig jung gebliebene, Facebook benutzt.

Aber so schlimm ist das auch nicht, weil ehrlich gesagt muss ich mich nicht mit jedem neuen Trend beschäftigen. Ein bisserl aus der Bahn geworfen hat mich dann aber unser Postler. Ich wollte einen RSb-Brief für Georg entgegen nehmen und er fragt mich:

Sind sie der Vater?

[^1]: ich habe am 4.4. Geburtstag und ihr könnt mir gerne was möglichst teures von meiner Amazon Wunschliste schenken. Ich werde sie vorher auf jeden Fall noch updaten