Die letzten schweißtreibenden Tage haben eine ganz entscheidende Frage aufgeworfen
Welche Bekleidung ist die kühlste?
Bei PhysikerInnen die ja mehr oder weniger durchgehen in T-Shirt, Jeans und Birkenstock Schlapfen gekleidet sind, reduziert sich diese Frage auf "Socken oder keine Socken" und "Welche T-Shirt Farbe ist die richtige"[^1]
Zugegeben manche haben im Sommer abgetragene und verwaschene Stoffhosen an und andere manchmal völlig zerknitterte, halb aus der Hose hängende, Hemden und ganz selten sieht man sogar einen Rock,[^2] aber die einzig wahre Bekleidung ist und bleibt die abgetragenen Blue Jeans mit einem ausgewaschenen T-Shirt.
So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass die extrem wichtige Frage "was ist die kühlste Bekleidung bei der Hitze" sich einzig und alleine auf die Farbe des T-Shirts bezogen hat.[^3]
Dabei muss man ganz eindeutig zwei Fälle unterscheiden -- Tag und Nacht. Wobei am Tag völlig zweifelsfrei das weisse T-Shirt mit dem geekigen Spruch gewinnt.
Die wirklich interessante Frage wirft aber die Nacht auf. Da gibt es keine Sonnenstrahlen mehr, die vom schwarzen T-Shirt viel stärker absorbiert und in Hitze umgewandelt werden und auf einmal hat man einen Tisch mit acht Physikern und einer Pharmazie Studentin, auf dem ein Großteil der anwesenden mit Absorption-, Reflexions- und Emissionskoeffizienten idealisierter T-Shirts, Spektralverschiebungen und ähnlichem um sich wirft, während ein deutlich kleinerer Teil der Anwesenden nur die Augen in stiller Andacht verdreht.
Nachdem natürlich jeder der anwesenden andere Dinge in seinem Modell vernachlässigt kann man darüber ewig diskutieren -- oder zumindest so lange bis ein Spielverderber wie Gernot die Vereinfachungen weglässt und von wirklichen Tatsachen ausgeht.
Wir haben (wenn ICH das richtig sehe ;-) ) die Vermutung geäußert, dass der Absorptions-/Emissionskoeffizient bei "realen" Körpern (z.B. T-Shirts) Wellenlängen-abhängig ist. D.h. dass es sein kann, dass ein T-Shirt im sichtbaren Bereich einen hohen Koeffizienten hat (schwarz), im infraroten aber einen kleinen (schlechter Strahler). Nachdem man Strahlungsenergie von der Sonne aufnimmt (Maximum ~ im sichtbaren Bereich), selbst aber (auf Grund der Glücklicherweise etwas niedrigeren Temperatur) im infraroten das Maximum an Abstrahlung hat, könnte das durchaus einen Effekt haben.
Der eigentliche Grund, warum mMn bei T-Shirts die Absorption deutlich entscheidender ist als die Emission ist, dass die Wärmeabgabe zu einem entscheidenden Teil über Wärmeleitung/Konvektion (der Luft) und Verdunstung (von Schweiß) passiert.
Warum ich ohne langes Nachdenken gestern auch gleich gemeint habe, dass schwarze T-Shirts wärmetechnisch keinen Vorteil haben war, dass ich so einen Vorteil einfach noch nie gespürt habe. Und als guter Theoretiker versuch' ich etwas zu erklären, von dem ich der Meinung bin die Antwort schon zu kennen :-)
Ich meine ehrlich, wenn wir schon von der Realität ausgehen, dann muss allen klar sein, dass die geekigen Sprüche das coole an den T-Shirts sind und die sind natürlich völlig unabhängig von der Grundfarbe.
[^1]: Physikerinnen leben ja bekannter Weise nach dem Motto "dress to surpress" und haben deshalb nur in äußerst seltenen Fälle eine davon abweichende Kleidung
[^2]: den aber öfter bei Physikern als bei Physikerinnen
[^3]: die Sockenfrage wurde einstimmig zugunsten der Barfüssler entschieden