Konzert im Bach
Das "Bach" ist irgendwo im 16. Bezirk in einer wenig beleuchteten und noch weniger befahrenen Seitenstraße, gekennzeichnet durch ein schwaches Neonschild. Hinter einer schweren Türe befindet sich ein kleiner grob gemauerter unverputzter Raum. Die Wände teilweise mit Gafitti verziert, der Gang geradeaus führt zu den Klos, die Treppe hinunter anscheinend zu dem eigentlichen Lokal. Das schwarz angezogene Pärchen, das an einer Mauer lehnt, mustert mich interessiert mit leicht getrübten Augen. Genau der Platz wo ich, mit meiner Fotoausrüstung im Koffer und Kleidung, die deutlich zeigt wie weit meine normale Welt von dieser hier entfernt ist, die Nacht verbringen will.
Nach der Treppe und einem kurzen Gang mit mehreren Windungen steht da auf einmal David. "Servas" - dann die Erkenntnis -- "Jo Servas Pauli, long nimma gse'n!" -- Einer von den Kärntnern aus meiner ehemaligen Klasse und ich fühle mich schon zu Hause. Auch wenn dann seine Freundin in der Biegung hinter mir auftaucht und David, den ich das letzte mal vor rund 2 1/2 Jahren in der Arena getroffen habe, für die nächsten 2-5 Minuten völlig für sich beansprucht. Am eigentlichen Eingang zur Bar treffe ich dann auf die nächsten Kärntner -- Markus und Markus. Nachdem ich keine feschen Hasen mitbringe und mir sicher bin Günter will nicht als meine Begleitperson gelten setzten sie niemanden mehr auf die Gästeliste.
Um rund 21:30 eröffnen dann "The Naschmarkt Massacre" als erste Band den Abend. David, der sich als ausgebildeter Tontechniker um das Mischpult kümmert, hat mich schon vorgewarnt mit "Pauli tut mir Leid, aber das wird laut, da kann ich gar nix machen" Ja klar laut, jedes Konzert ist laut und bis jetzt war das noch nie ein Problem und seit meiner Unterstufenzeit, in der ich Musik praktisch nicht, und laute Musik gar nicht akzeptieren konnte, hat sich eine Menge getan -- Einbildung ist auch eine Bildung.
Punk Rock laut, wild und die Kerle führen sich dabei so auf, als ob sie versuchen würden ihre Instrumente durch "normalen" Gebrauch zu vernichten. Die Texte gefallen mir gut, nur waren sie ein bisserl schwer zu verstehen, da die Aussteuergrenze meiner Trommelfelle ohnehin schon weit überschritten war, aber alleine die Begeisterung mit der die vier spielen wirkt ansteckend.
Nach einer halben Stunde Pause mit DJs kommen dann Ben Martin & Band dran. Brit Pop nicht unbedingt meine Musik, liegt aber nicht an der Band, sondern an der Musikrichtung. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ich Angi, noch eine Kärntnerin, entdeckt habe und Günter auch gerade gekommen ist. Außerdem ist ihre eher ruhigere Musik nach dem Massacre (und vor Hog Meets Frog) nicht optimal platziert, um es einmal harmlos auszudrücken. Während der ganzen Zeit bewegen sich auf der Bühne die Finger und sonst eigentlich gar nix, also auch nicht so die umwerfende Bühnenshow, aber das mag auch zu Brit Pop gehören und ändert an der Qualität der Musik an und für sich nichts. Nachdem die meisten Leute entweder wegen dem Naschmarkt Massacre oder Hog Meets Frog gekommen sind, hat sich die Stimmung im Publikum auch eher in Grenzen gehalten.
Obwohl mir alle Bands gut gefallen haben, war "Hog Meets Frog" für mich das Highlight des Abends. "Squeaquack Music" hat einen tollen Sound, die passenden Verkleidungen zu jedem Lied sind genial, die Texte immer interessant und die Band interagiert wie keine andere an dem Abend mit dem Publikum. Sie waren auch die einzigen, die drei Zugaben geben durfte und bei der das Publikum teilweise "getanzt" hat.
Stefan Braunstein vs. Hurricane Reisinger (Electronic / Game Boy Music)
Klingt nicht besonders spannend, wenn man das zum ersten mal liest und dann kommen da auch noch drei Kerle, die eher wie Nerds oder zumindest Programmierer aussehen auf die Bühne und räumen erst einmal alles weg, was auch nur irgendwie an eine Band erinnert. Stattdessen werden zwei normale Tische aufgestellt, auf die ein Mischpult, zwei Game Boys, zwei GBA und eine Schreibtischlampe um das ganze zu beleuchten kommen. Bis alles fertig verkabelt und die Game Boys "ausgeblasen" und getestet waren ist die Hälfte der Leute schon verschwunden und die andere Hälfte saß entweder am Rand der Bühne oder ist irgendwo an der Bar.
Irgendwann kam dann völlig unzeremoniell das typische Gameboy Pling, nur etwas lauter als bei normalen Vertretern dieser Art und damit fing erstaunliche Musik an. Ich war sofort zurückversetzt in meine Unterstufenzeit. Sommer, See, Segeln, Tetris, Supermario, Sonic the Fox und eine Claudia die mir den Game Boy nie borgte! Super -- bis auf Claudia -- die Musik gefiel mir auf Anhieb und dann fiel mein Blick wieder auf die Bühne. Sie sahen genau so aus wie Claudia und Andi, wenn sie Tetris übers Link Kabel gespielt haben. Blicke starr auf den Game Boy, ab und zu ein flüchtiger Blick ins Publikum oder den Partner und natürlich das typische Mitbewegen, damit die Steine besser fallen. Keine Lichtblitze, kein Nebel ja nicht einmal bunte Lichter sind auf der Bühne zu sehen, nur zwei bis drei Kerle die beleuchtet von einer Schreibtischlampe Game Boy spielen. Aber die Musik war toll und es packte mich wieder der Neid auf alle Leute mit Game Boy -- Ich will auch spielen!
Das ganze klingt ein bisserl wie Kraftwerk -- die Supermario und Tetris spielen -- nur besser, aber irgendwann ist es mir dann zu überladen worden, mag zu einem nicht unwesentlichem Teil an der fortgeschrittenen Stunde gelegen haben, außerdem wollte mein Taxi ins Bett und ich meinen Koffer nicht durch den 16. nach Hause schleppen. Also habe ich das Ende nicht mehr miterleben dürfen, aber für alle Fans von Game Boy Spielen sind sie ein wirkliches Erlebnis und alle anderen sollten es zumindest einmal gehört haben.
Am Schluss möchte ich noch David erwähnen, der extra aus Kärnten gekommen ist und sich dann ab Mittag mit der Feinabstimmung des Sounds im Bach beschäftigt hat.
Links zu den Bands:
Ich war vorgestern noch mit Günter auf ein Bier im Chelsea und habe mir dann unter anderem anhören können, dass nach noch immer keine Bilder von seinem Konzert im Internet sind. Nachdem der Auftritt aber schon fast ein Monat her ist, habe selbst ich schön langsam keine Ausreden mehr; also habe ich mich dann doch entschlossen, den Samstag für etwas Sinnvolles zu nutzen und die Bilder jetzt endlich online zu stellen.
Für alle die die Band nicht kennen: The Shape spielen laut eigener Aussage Rock & Roll-Pokla mit Anlehnung an 50-Cent, und geben bei ihren Auftritten praktisch nur eigene Kompositionen zum besten. 2001 haben sie beim SOUNDREVOLUTION gewonnen und 2003 beim Donauinselfest auf der Pendlerbühne gespielt. Beide male, wie ich finde sehr gut, und dazwischen gibt es in unregelmäßigen Abständen Konzerte, die mir meist noch besser gefallen, die aber leider fast immer in Mödling sind.[^1]
Bei einem Konzert gibt es tolle Stimmung, oder auch nicht. Nie wäre ich auf die Idee gekommen so etwas mehr auszuführen als mit den zwei Worten "tolle Stimmung", oder gar mir Gedanken über allfällige Indikatoren für die Stimmung zu machen und obwohl ich die Groupies oft genug erwähne ist mir doch entgangen, dass sie eigentlich nicht wegen mir, sondern wegen der Band da sind. Das würde dann auch erklären, warum mich die Burschen und nicht wie geplant die Mädchen angesprochen haben. Für die Band waren die Groupies, egal welchen Geschlechts, ganz Feuer und Flamme, haben gekreischt, sind auf und ab gehüpft und waren auch sonst kaum zu halten. Es gab auch ein Mädchen, das ganz still und mit großen feuchten Augen auf die Bühne gestarrt hat, aber es kann kann natürlich auch sein, dass sie Probleme mit ihren Linsen hatte und deshalb so entrückt dreingeschaut hat.
Es gab natürlich auch Probleme wie zB ein Tontechniker, der anscheinend entschlossen hat die Band klingt ohne Bass auch gut und deshalb kurzerhand den Regler für den Bass runter und den für die Gitarre rauf gedreht hat. Das wurde aber nach dem ersten Song beanstandet und nach dem zweiten behoben. Nur leider war der Bass an dem Abend von Problemen geplagt und als nächstes ist Günter dann prompt eine Saite gerissen, aber anscheinend kann man auch noch mit den drei verbleibenden das Lied zu Ende spielen. Die dadurch entstandene kurze Zwangspause wurde von Loeff & Phil mit Geschichten verkürzt und für ein Bier genutzt.
In meiner Vorstellung hätten dort jede Menge fesch Hasen sein sollen, die mich umschwärmt und sich sanft angeschmiegt hätten. Meine Hände konnten sich natürlich sanft an wohlgeformte feste Kurven anschmiegen und das hat mich wie immer auch sehr glücklich gemacht, NUR meine Kurven waren im Gegensatz zu denen von anderen aus Magnesium- und Aluminiumlegierungen und nicht aus Fleisch und Blut, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich für die Dinger so viel Geld hingelegt habe, dass ich mir schon selber Implantate kaufen könnte. Hat irgendwie einen ähnlichen Beigeschmack wie mit antiken Statuen zu kuscheln. Sicher sind die schön, wohlgeformt und heiß begehrt, aber irgendwie fehlt trotzdem was.
Aussagen wie "Nimm mich als Handtuch" oder "Ich will ein Kind von dir" gegen Ende des Konzertes haben dann schon eine gewisse Erwartungshaltung über das zu erwartende Geschehen im Backstage Bereich hervorgerufen. Allerdings kam es wie es kommen musste und nackt waren nur die Bandmitglieder, die sich nach einem erschöpfenden Konzert duschen wollten. Ob das Raunen, dass durch die Reihen der anwesenden Damen gegangen ist vor Entzücken oder vor Enttäuschung war, kann ich jetzt nicht mehr beurteilen.[^4]