Beim Frisör

Alexander Paulsen Ich gehe selten genug zum Frisör. Nicht so sehr weil ich das Haarschneiden nicht mag,1 oder weil es mir zu teuer wäre und schon gar nicht weil er zu viel Zeit kosten würde, sondern viel eher weil ich mich einfach in der richtigen Stimmung befinden muss.

Nur leider ist die richtige Stimmung meistens nicht vorhanden wenn die eine schweigsame mit den harten Sprüchen und dem coolen Dialekt gerade fei ist. Wenn ich es dann irgendwann einfach nicht mehr aufschieben kann, wasche und zerstrubbel ich mir die Haare, föhne sie so, dass sie wild in alle Richtungen abstehen und hoffe auf das beste.

Diesmal ist — welch Freude — meine Frisöse frei, eilt auch gleich herbei und fragt wie sie mir helfen kann.2

Sobald die Haare gewaschen sind und ich am Stuhl sitze betrachtet sie ihr Rohmaterial einmal kritisch.

Was ist denn da am Nacken passiert?
Haben sie3 das da selber mit dem Rasierer geschnitten?!?
Keine solchen Aktionen bitte, lieber öfter zu Frisör kommen!

Doch dann sieht sie durch den Spiegel in meine unschuldigen dreinblickenden Rehaugen, die schon kurz vorm Weinen sind und wird deutlich versöhnlicher

Aber gut ich werde versuchen das auszubessern.
Wie soll ich es denn schneiden?

Wie sie wollen, sie wissen das sicher besser als ich.

Nach einem weiteren bemitleidenden Blick macht sie sich dann mit stolz geschwellter Brust daran aus diesem hässlichem Entlein einen wunderschönen Schwan zu formen. Am Anfang fliegen die Haare auch noch voll Elan, aber irgendwann stößt sie auf den ersten meiner Wirbel, der nicht wirklich das macht was sie will. Auch nicht wenn sie die Haare mit dem Föhn schon fast zum glühen bringt, oder versucht sie mit ihrem Kamm einzeln auszurupfen.

Ein harter, aber aussichtsloser Kampf beginnt und etwa fünf hartnäckige Wirbel und eine entnervte Frisörin später steht sie dann etwas kritisch vor ihrem vollendeten Werk.

Du hast sehr … stehende Haare

Und viele Wirbel

Darf ich dir4 noch ein bisserl Gel in die Haare geben?

Das Gelen dauert dann fast noch einmal so lange wie das Schneiden und so richtig glücklich sieht sie am Schluss immer noch nicht aus und endlich kann ich den gleichen bemutterndem Tonfall, den sie am Anfang benutze hat, anwenden.

Es sieht sehr gut aus. Vielen Dank, ich bin sehr zufrieden damit.

Ich sollte wirklich öfter zum Frisör gehen!


  1. eigentlich ist das ganz nett, wenn einem hübsche Mädchen die Haare zerzausen 

  2. An der Stelle muss ich mich dann immer besonders zusammenreißen 

  3. Wir kennen uns leider noch nicht gut genug um uns zu duzen 

  4. Sie duzt mich am Ende immer 


2 Responses to Beim Frisör

  1. 706 Chrissy 2008-01-25 23:23

    Fesch :) [wie immer] schleim :D

  2. 707 alexander 2008-01-26 13:31

    Danke danke,
    Obwohl ich sagen muss, dass das Bild meiner Schönheit natürlich nicht gerecht wird 8)

    Es ging mir auch mehr darum den coolen senkrecht nach oben stehenden Tschippel Haare zu zeigen als ein gutes Foto von mir zu machen (wobei das unterbelichtet kann ich leider nicht auf den Selbstauslöser schieben und die Idee mit “Rimlights” verstehe ich auch noch nicht so ganz und über das vermengen von Kontrasten will ich gar nicht nachdenken)



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"But I don't want to go among mad people," Alice remarked.
"Oh, you can't help that," said the Cat: "we're all mad here. I'm mad. You're mad."
"How do you know I'm mad?" said Alice.
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