Als Abschiedsgeschenk nach Schweden hat sich Günter von mir nur zwei Dinge gewünscht. Eine Feier mit möglichst vielen hübschen Hasen und ein paar seiner CDs als MP3s gerippt, weil Musik so deutlich einfacher nach Schweden mitzunehmen ist.
Sollte beides eigentlich kein Problem sein. Zu meinen Feiern kommen normalerweise sowieso mehr Mädchen als Burschen[1] und CDs rippt und taggt mein Computer für mich, da muss ich nur in regelmäßigen Abständen die CD wechseln. Außerdem freue ich mich immer über Feiern und neue Musik. Also eine Woche vorher e-mails an die Freunde, am Samstag Vormittag dann einkaufen und kochen und es kann losgehen.
Die meisten Leute sind, je nach Hunger, zwischen 19:30 und 21:30 aufgetaucht, nur ein halbwegs wichtiger mit dem ich fix gerechnet hatte — Günter — war um 21:30 noch immer nicht da! Nach kurzer Rücksprache mit ihm — es lebe das Handy — stellte sich heraus, dass er schon(!) am Weg war und in 5 Minuten da sein werde. Und wirklich stand er dann nach rund 30 Minuten, die mir aber wie 5 vorgekommen sind, zur großen Freude alle Anwesenden vor meiner Haustüre. Inklusive einem Sack CDs. Anscheinend meinte er, ich kümmere mich normalerweise so wenig um meine Gäste, dass es auch nicht weiter auffallen würde, wenn ich für ein paar Stunden in meinem Zimmer verschwinde um die alle zu rippen.
Also habe ich nach ein paar blöden Sprüchen über Windows im allgemeinen und den MP3-Encodern unter Win im speziellen den Computer angeworfen und mich an die Arbeit gemacht. Die ersten 3 CDs wurden ohne Probleme gerippt und ich konnte mich dazwischen auch noch mit meinen Gästen unterhalten — nicht so wie damals beim Fischdesaster, wo ich den ganzen Abend in der Küche gestanden bin und keiner satt wurde, weil meine Frittöse immer nur einen Fisch auf einmal frittieren konnte. Seit damals verstehe ich Leute die keinen Fisch essen viel besser. Besser irgendwas als nichts, auch wenn das Nichts Gerüchten zu Folge sehr gut ist.
Kommen wir zur CD Nummer vier: Aerosmith — O, Yeah! Ultimate Aerosmith Hits Disc 1. Da steht irgendwas wegen Copyprotection will not play on PC or MAC drauf. Bis jetzt konnte ich noch jede CD rippen und habe den Kopierschutz im Gegensatz zu Kratzern noch nie bemerkt. CDParanoia ist einfach einmalig wenn es darum geht die Daten von einer CD auf die Festplatte zu befördern! Allerdings schreckt mich diesmal ein unhübsches Klicken, wie es der Festplattenkopf macht wenn er in die Ruheposition fährt, aus meinen süßen Träumen über die Überlegenheit von Linux auf. Darauf hin geraten der Kernel und ich in etwa zur gleichen Zeit in Panik. Anscheinend spinnt der SATA Controller an dem meine Festplatte hängt. Eigentlich kein Problem, der spinnt schon länger und wird wohl bald eingehen, einfach rebooten[2] und der Fehler ist behoben. Genau das passiert dann auch und alles funktioniert perfekt, zumindest bis zur Hälfte der CD, dann hängt er sich wieder auf und diesmal kann ihn nicht einmal mehr ein Neustart dazu bewegen auf die Festplatte zuzugreifen. Anscheinend hat er jetzt endgültig seinen Geist aufgegeben. Mit einem hämischen Grinser schnappt sich mein Bruder die CDs und will Günter und mir die Vorzüge eines Macs zeigen.
Markus war derweilen schon fast am Verzweifeln, aus irgendeinem Grund spielt der Computer im Wohnzimmer die Musik zwar noch, aber man hörte sie nicht mehr,[3] die ersten Gäste gingen und er hatte noch keines seiner kreativen Partyspiele untergebracht. STRESS! Nach kurzer Fehlerdiagnose[4] musste ich mit Bauchweh den nächsten Computer neu starten. Diesmal einen Server, der normalerweise nur nach Systemupdates neu gebootet wird und sonst 24/7 problemlos im Einsatz ist. Kein guter Tag für meine Computer, allerdings auch nicht für Georgs Mac, denn der hat diese anscheinend besonders geschützte CD mittlerweile zwar erfolgreich in eine MP3 umgewandelt, aber anscheinend haben Macs auch einen Musikgeschmack und die CD gefiel ihm so gut, dass es sie gar nicht mehr hergeben wollte. Auch nicht nach gutem Zureden, rebooten, klopfen pusten, …
Und so musste Günter dann wohl oder übel ohne MP3s, dafür aber mit einer CD weniger nach Hause und schlussendlich auch nach Schweden fliegen.
Meine eigene Party kann ich natürlich nur mit zwei Worten beschreiben:
Voll genial :P
Den Gästen von denen ich noch Feedback bekommen habe hat der Rest des Abend erstaunlicher Weise auch gut gefallen.[5] Vor allem der Australier James, der genötigt wurde Didgeridoo zu spielen, obwohl er es nicht besser als wir konnte und eines von Markus berühmten Spielen, bei denen am Anfang niemand mitmachen will, an denen dann letzten Endes alle Spaß haben.
Was ich gelernt habe:
- Der Kopierschutz von Musik CDs wird immer aggressiver.
- Hochmut kommt vor dem Fall und wenn man schon fällt, dann wenigstens anständig.
Und so musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass das eine von den ganz wenigen meiner Feiern war zu der weniger Mädchen als Burschen gekommen waren. Das tut einem netten Abend mit Freunden natürlich keinen Abbruch, aber nach dem Fiasko mit den Computern war mein Ego dadurch vollständig zerstört.
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und natürlich sind alle Mädchen die ich kenne fesche Hasen ↩
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Wie kann M$ Word reboot nicht kennen, das sollte eines von den Top Vokabeln unter Windows sein ↩
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und entgegen meiner ersten Vermutung war die Anlage auch laut genug aufgedreht ↩
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alles funktionierte problemlos, aber es gab aus mir völlig unerfindlichen Gründen keinen Ton ↩
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anscheinend reden die anderen gar nicht mehr mit mir ↩
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